Apr 30, 2018

Ärmelspiele! Wie unterschiedliche Ärmelformen den Charakter eines Kleidungsstücks prägen.

Dem aufmerksamen Beobachter ist es nicht entgangen: 2018 liegt der Fokus ganz stark auf den Armen. Genauer gesagt auf den Ärmeln. Statement-Ärmel sind zur Zeit der absolute Trend, das reicht von voluminösen Trompetenärmeln über Fledermausärmel bis hin zu grandiosen Puffärmeln – Hauptsache auffällig.

Ob sich die Designer dabei wohl von den Gewändern des Mittelalters inspirieren ließen? Schon damals waren schließlich Statement-Ärmel absolut angesagt, zum Beispiel geraffte Puffärmel oder doppelte Ärmel in unterschiedlichen Farben, die sich überlappten. Nett anzusehen auf jeden Fall, aber für meinen Geschmack doch einen Tick „too much“. Aber dieses Beispiel zeigt schon, wie extrem die Ärmel den Charakter eines Kleidungsstücks prägen können. Mehr als uns vielleicht bewusst ist, achten wir in der Körpersprache auf die Haltung und die Bewegung der Arme – und damit eben auch auf die Ärmel. Und so sagen Ärmel sehr viel über ein Kleidungsstück und die Person, die es trägt, aus.

Ein Kleid, eine Jacke oder eine Bluse kann durch bestimmte Ärmelformen besonders feminin aussehen, oder auch das genaue Gegenteil bewirken und stattdessen maskulin und kantig werden. Gerade die jetzt so trendigen Statementärmel lenken die Aufmerksamkeit zudem auf unsere Hände und unterstreichen unsere Körpersprache und Gestiken. „Hallo, hier bin ich!“ rufen diese voluminösen Ärmelformen und sind damit ein perfektes Beispiel für ein neu erwachtes weibliches Selbstbewusstsein. Für alle, die gern tiefer eintauchen möchten in die spannende Welt der Ärmelformen, habe ich hier eine kleine Ärmelkunde zusammengestellt.

Kleine Tour durch die Welt der Ärmelformen

Kugelärmel

Kugelärmel sind nicht, wie der Name nahelegen würde, kugelförmig, sondern schließen eng und röhrenförmig an die Schulternaht an. Sie sind damit die häufigste und schlichteste Ärmelvariante und  zum Beispiel an Pullovern, Longsleeves und Jacken zu finden.

Beispiel: Blazer mit klassischem, gerade nach unten laufenden Kugelärmel

 


Trompetenärmel

Diese Ärmelvariante ist im Moment sehr häufig an Blusen und Shirts zu sehen und öffnet sich direkt von der Schulter aus in einem Stück bis zu den Handgelenken zur charakteristischen Trichterform. Diese Ärmel kennen wir aus den wilden 70ern, wo sie gemeinsam mit den Schlaghosen die Hippie- und Disco-Szene geprägt hat. Trompetenärmel wirken locker-luftig, feminin und fröhlich und passen damit super zum Sommer.

Beispiel: Modernes Kleid mit weiten Trompetenärmeln

Beispiel: Extrem weiter Trompetenärmel


Tulpenärmel

Tulpenärmel sind einfach super hübsch und zudem praktisch: Rund und geschwungen wie die Blütenblätter einer Tulpe überlappen sich die kurzen Ärmel eines T-Shirts oder Kleides. Diese Ärmelvariante kommt aus den späten 40er Jahren, heute sieht man sie oft an Shirts, wo sie ein echter Hingucker sind, ohne jedoch zu verspielt zu wirken.

Beispiel: Klassischer Tulpenschnitt am Mädchenkleid


Puffärmel

Richtig verspielt und sehr feminin sind dagegen Puffärmel, die wir alle aus Historienfilmen wie „Vom Winde verweht“ kennen. Mitte des 19. Jahrhunderts hatten die Puffärmel ihr großes Comeback, nachdem sie schon zur Zeit der Renaissance sowohl von Frauen als auch von Männern getragen wurden. Puffärmel betonen die Schultern stark und geben jedem Outfit einen romantischen Touch. Gerade an der Dirndlbluse sind Puffärmel noch weit verbreitet, auf den Fashion Laufstegen lässt das Comeback noch auf sich warten.

Beispiel: Retro-Brautkleid mit starken Puffärmeln

Beispiel: Dezenter kurzer Puffärmel am T-Shirt

 


Kimonoärmel

Einer der großen Trend 2018 ist der Kimonoärmel der, wie der Name schon sagt, dem traditionellen japanischen Kleidungsstück entlehnt ist. Die sehr weiten Ärmel, die teilweise bis zu 20cm Durchmesser haben können, sehen zwar klasse aus, können jedoch sehr unpraktisch sein. (Ich sage nur Händewaschen!) Darum sind Kimonoärmel heute oft in ¾ Länge gehalten und reichen nicht bis ganz zum Handgelenk.

Beispiel: Top mit weiten Kimonoärmeln

Beispiel: Mega-weiter Kimonoärmel

 


Fledermausärmel

Ähnlich locker fallend, aber völlig anders im Schnitt sind die Fledermausärmel. Sie liegen schon seit einigen Jahren im Trend und man erkennt sie an ihrer ganz charakteristischen Form: Anders als Kugelärmel schließen Fledermausärmel nicht an der Schulter- beziehungsweise Achselnaht an, sondern beginnen viel weiter unten, nämlich am Saum des Pullovers oder Shirts. Richtung Handgelenk werden die Ärmel dann schmaler, sodass sich, wenn man die Arme ausbreitet, die typische Flügelform ergibt. Fledermausärmel waren schon in den 80ern ein Thema, heute sind sie noch etwas weiter geschnitten und werden vor allem bei Cardigans und Pullovern eingesetzt.

Beispiel: Dicker Pulli mit Fledermausärmeln

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Raglanärmel

Diese Ärmelform wurde nach dem britischen Lord Raglan (1788-1855) benannt, der in der Schlacht von Waterloo einen Arm verlor. Weil er seither Schwierigkeiten hatte, seinen Mantel anzuziehen, gab er ein Kleidungsstück in Auftrag, bei dem der Ärmel direkt an der Naht des Kragens befestigt war, und nicht wie üblich an der Schulter. Raglanärmel kamen in den 1940ern und 1950ern vor allem in der Kinder- und Sportkleidung (Baseballshirt) in Mode, wo sie für T-Shirts und Pullover eingesetzt wurden. Um den Schnitt zu unterstreichen waren die Ärmel oft in einer anderen Farbe gehalten. Auch heute ist Raglan ein echter Klassiker und meistens an Shirts und Longsleeves im Vintage-Style zu sehen.

Beispiel: Klassisches Baseballshirt mit Raglanärmel

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Volantärmel

Volantärmel enden, ähnlich wie Trompetenärmel in einer weiten Trichterform. Der Unterschied zu Trompetenärmeln besteht darin, dass Volantärmel sich nicht gleichmäßig von der Schulter zum Handgelenk weiten, sondern der Trichter etwa in Höhe des Unterarms manchmal sogar direkt auf Handgelenkhöhe an den Ärmel genäht ist. Volants tauchten zum ersten Mal während der Renaissance auf, wo sie die Roben und Gewänder der adeligen Frauen und Männer schmückten. In den folgenden Jahrhunderten gaben Volants immer wieder ein Comeback, zuletzt in den 2000ern. Heute sind die romantischen Ärmel wieder in Mode und schmücken Blusen, Pullover und Jacken.

Beispiel: Kurz angesetzter Volantärmel

Beispiel: Doppelter Volantärmel


Cap-Ärmel

Caps sind kleine gerundete Ärmel, die meist kürzer als T-Shirt Ärmel sind. Sie sitzen dann direkt auf der Schulter und bedecken nur den oberen Teil, kaschieren so aber kräftige Oberarme und sind darum bei Sommerkleidern oder Brautkleidern sehr beliebt.

Beispiel: Zarte Caps an Spitzen- oder Brautkleid


¾ Ärmel

Die halblange Variante ist ein echter Dauerbrenner unter den Ärmelformen und das mit gutem Grund. Meist als Kugelärmel geschnitten endet ein ¾ Ärmel etwas in der Mitte des Unterarms oder am Ellbogen. Gerade bei Pullovern, Shirts oder auch bei Wickelkleidern wirkt diese Ärmelform klar, schnörkellos und macht tolle Arme. Das wusste schon die Jungs aus der 80er Jahre Popper- und Yuppie-Szene, die sich sogar ihre Sakko-Ärmel bis zu den Ellbogen aufkrempelten.

Beispiel: Lässiger, weit geschnittener 3/4-Ärmel

 


Epaulettenärmel

Bekannt aus dem Military-Look sind Epauletten- oder Kastenärmel echte Hingucker für die Schultern. Klassische Epauletten sind (oft fransige) Aufsätze, die auf die Schultern von Uniformen aufgesetzt und mit Abzeichen versehen werden. In der Mode ist das Prinzip ähnlich: Als Ärmelstück wird ein oft auffällig gestaltetes halbrundes oder eckiges Stück Stoff gesetzt, das die Schultern leicht überlappt und damit breiter aussehen lässt. Die klassischen Epaulettenärmel wirken durch die Betonung der Schultern oft sehr kastenähnlich und maskulin. Dabei müssen Epauletten Ärmel keineswegs nur maskulin wirken, sie können auch sehr dezent und feminin aussehen.

Beispiel: Epaulettenjacke romantisch gestylt


Schmetterlingsärmel

Schmetterlingsärmel sind gewissermaßen die kleine Schwester der Volant- und Trompetenärmel. Diese sehr verspielte Ärmelform ist meistens kurz oder halblang gehalten und durch kurze Volants an der Schulter gekennzeichnet. Schmetterlingsärmel können sehr kurz sein und nur den oberen Teil der Schulter bedecken, oder als ¾ Ärmel den Ellenbogen erreichen. Während der romantischen Ära des Jugendstils waren Schmetterlingsärmel an weit fallenden Kleidern sehr angesagt.

Beispiel: Zarter Schmetterlingsärmel

 


Viragoärmel

Diese besondere Variante der Puffärmel, auch Marie-Ärmel genannt, war im 17. Jahrhundert der allerletzte Schrei. Ein langer Puffärmel wird durch Bänder und Einsätze in zwei oder mehrere Abschnitte unterteilt und so zum Viragoärmel. Dabei werden die Arme und damit auch Schultern und Brustbereich sehr stark betont, was wiederum die Taille schlank wirken lässt. Viragoärmel sind die vielleicht opulenteste Form der Statementärmel und feiert gerade auf den Laufstegen dieser Welt sein Comeback.

Beispiel: Neu interpretierter Viragoärmel


Drop-Shoulder Ärmel

Überschnittene Ärmel liegen seit Jahren im Trend und das aus gutem Grund: Sie machen weiche, runde und sehr feminine Schultern und sorgen für eine fließende Silhouette, was perfekt zu engen Röhrenhosen und Skinnyjeans passt. Diese Ärmelform entsteht, wenn die Schulternaht verlängert wird und der Ärmel an diese Verlängerung anschließt. Drop-Shoulder Ärmel sind vor allem bei Cardigans und Pullovern zu finden, aber auch T-Shirts sieht man immer häufiger mit überschnittenen Ärmeln. Waren Drop-Shoulders bis vor kurzem noch hauptsächlich in der Damenmode zu finden, findet man sie jetzt auch zunehmend bei den Herren der Schöpfung, dann jedoch ausschließlich im absoluter Casual-Bereich und nicht etwa in der Businessmode.

Beispiel: Klassisch-lässiger Drop-Shoulder Arm

Welche Ärmelform mögt ihr am liebsten. Ich bin ein Fan des lässigen 3/4-Ärmels, zur Jeans mag ich in diesem Jahr besonders den weiten Kimono-Cut!

Joana

von

Betreibt eine kreative Wortschmiede. Kosmopolitisch, interkulturell, bunt. In love with: Denim, Strick und Loafers in allen Formen und Farben. Außerdem: Color Blocking und punkige Stilbrüche. Geht gar nicht: Pailletten, Crop Tops, Samt.

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