Okt 16, 2020

Styling-Guide rund um den kalkulierten Stilbruch

Aktualisiert am 2. Juni 2022

Stilbrüche sind in aller Munde und vor allem in den Streetstyles der Modebegeisterten zahlreich vertreten. In vielen Fashion-Blogs oder bei Outfit-Empfehlungen raten Style-Experten dazu, mit überraschenden Kombinationen dem Gesamt-Look das gewisse Etwas zu verleihen. Denn genau darum geht es: Um den besonderen Twist, eine ungesehene Zusammenstellung, etwas, das die Aufmerksamkeit fesselt. Eben, weil es von den Standards und ungeschriebenen Styling-Regeln bewusst abweicht. Und das ziemlich gekonnt! Ob in der Kunst oder in der Mode – oft sind es genau die kleinen Irritationen, welche den großen Unterschied machen. Dabei ist das kunterbunte Mixen von Farben, Materialien und Stilen eine Moderichtung, die nicht plötzlich vom Himmel gefallen ist. Dahinter steht ganz klar unser modernes Lebensgefühl verbunden mit dem Wunsch nach Individualität. Wer Freude am modischen Ausdruck der eigenen Persönlichkeit hat, erhält mit dem Stilbruch-Konzept unzählige Möglichkeiten, wirklich individuelle Looks zu kreieren.

Folgende Infos findest du in meinem Stilbruch-Ratgeber:

Stilbruch – Was ist das?
So geht`s: Materialmix
So geht`s: Farbmix
So geht`s: Mustermix
So geht`s: Stilmix
7 Stilbruch Styles, die einfach überzeugen

 

Alles richtig gemacht: Materialien & Stile perfekt gemixt, alles bleibt in einer Farbfamilie.

Stilbruch – was ist das?

Als Stilbruch, Stylistic Clash oder No-Dresscode bezeichnet man das Kombinieren von Modestilen, die aufgrund ihrer Gegensätzlichkeit scheinbar nicht zusammenpassen. Eine bewusst geschaffene Disharmonie also, die sich in Farben, Materialien, Mustern oder überraschenden Schnittkombinationen ausdrücken kann. Doch genau dieser spannende Kontrast macht die kreativen Outfit-Kombinationen so unverwechselbar.

Dabei können markante Einzelteile Schwerpunkte setzen, Secondhand-Pieces edle Designer-Looks ergänzen oder die Lieblings-Destroyed Jeans mit einem romantischen Dress getragen werden. Das Outfit präsentiert sich nicht mehr als ein durchkomponiertes Bild, sondern wirkt wie eine Collage, die in sich aber total stimmig ist. Die Regeln des Cross-Dressing sind subtil und nicht immer ganz einfach. Denn was aussieht, wie zufällig aus dem Schrank gezogen, ist in Wirklichkeit mit viel Kombinationsgeschick geplant. Der No-Dresscode lässt zu, dass theoretisch alles miteinander kombiniert werden kann – Pink zu Orange, Braun zu Schwarz, Streifen zu Glencheck. Doch auch in punkto Stilbruch kannst du einiges falsch machen. Wie der Look gelingt? Hier kommt unser Styling-Guide.

Mix& Match: Stilbruch – so geht’s

Willkommen im Reich der schier unbegrenzten Möglichkeiten. Um einen Stilbruch-Look zu stylen, brauchst du vor allem ein sicheres Stilgefühl. Denn du willst ja deinen individuellen Typ damit unterstreichen. Aber keine Angst! Es gibt auch ein paar Richtlinien, an denen du dich für deinen individuelle Look entlanghangeln kannst. Ein klassisches Beispiel ist die Kombination aus verspieltem Sommerkleid mit einer derben Lederjacke. Würde man beide Stile für sich genommen konsequent durchstylen, kann es schnell zu viel werden: Das Sommerkleid mit femininen Sandalen und Cardigan kann spießig und einfach zu mädchenhaft wirken. Eine Lederjacke mit Boots, Lederhose und vielleicht noch Nietenschmuck wirkt schnell zu extrem.

Im Grunde gibt es eine einfache Faustregel: Nimm dein Lieblingsteil und überleg dir, wie du es bislang kombiniert hast. War der Look eher elegant, klassisch oder sportlich? Brich ihn dann, indem du andere Stile dazu wählts. Das muss nicht viel sein. Ein Schuh, eine Tasche, eine Jacke…

Für deinen Cross-Dressing Look kannst du an vier Punkten ansetzen:
► Material
► Farbe
► Muster
► Stil


► Materialmix

Hier gibt es fast nichts, was nicht geht. Fakt ist: Materialien, die auf den ersten Blick eigentlich nicht zusammenpassen, erzeugen oft die spannendsten Outfits. Grundsätzlich gilt hier: Gegensätze ziehen sich an. Grob zu Fein, Glatt zu Rau und Glänzend zu Matt sorgen für spannende Kontraste. Besonders in den Wechseljahreszeiten – also im Frühjahr oder im Herbst – lassen sich spielend spannende Layering-Looks aus verschiedenen Materialien kreieren. Wie? Einfach die Lieblingsteile des Sommers mit denen vom Winter kombinieren. Das Träger-Maxikleid aus glänzendem Material einfach mit einem schwarzen Woll-Rolli und dicken Strumpfhosen tragen. Oder den coolen Tüll-Rock vom Sommer mit langärmligen Leineshirt und Kunstlederjacke tragen.

Auch sehr spannend sind Samt-Stoffe. Diese kannst du mit rustikalen und sportlichen Funktionsmaterialien verbinden. Das erfordert allerdings etwas Fingerspitzengefühl: Wie wäre es mit einer Samthose mit Windbreaker-Jacke und ledernen Booties? Aber für den Anfang geht es auch einfacher. Beispielsweise kannst du ein angesagtes hautenges Strickkleid mit einer coolen Bauch-Tasche in Lack-Optik schnell zu einem modernen Stilbruch-Look machen. Oder mit einem Seidenschal noch ein weiteres edles Material hinzufügen.

► Farbenmix

Farben geben immer ein Statement ab und sind etwas extrem Emotionales. Deswegen mein Tipp: Beim Stilbruch mit Farben immer auf das Bauchgefühl hören. Dann kannst du nichts falsch machen, wenn du deine Lieblingsnuancen ganz anders kombinierst. Vielleicht kennst du ja den Farbkreis. Dieser kann dir helfen, nach drei einfachen Regeln Looks zusammenzustellen.

Regel 1: Farben aus einer Farbfamilie lassen sich immer gut miteinander kombinieren. Das sind die Nuancen, welche im Farbkreis nebeneinander liegen.

Regel 2: Willst du Akzente setzen, eignen sich Kontrastfarben hervorragend – also beispielsweise Gelb oder Orange zu Blau. Das sind dann immer die Töne, welche im Farbkreis gegenüberliegen (Komplementärfarben).

Regel 3: Wenn du drei Farben in dein Outfit bringen willst, stelle dir im Farbkreis ein Dreieck vor. Diese Farben ergeben in Kombination einen spannenden Gesamtlook.

Eine blaue Hose harmoniert ideal mit einem Pulli in knalligem Orange. Wenn du jetzt einen bewussten Stilbruch kombinieren willst, trage Orange zu Pink oder zu Beige-Tönen. Du dachtest, dass Grün und Blau nicht zusammen passen? Nicht im Fall des Farbmixes. Kontrastfarbene Stiefeletten in feurigem Rot oder dunklem Senfgelb unterstreichen den Charakter des Stilbruchs.


► Mustermix

Karos, Streifen, Ethno, Punkte, Blumenmuster, Animal-Prints – verschiedene Prints miteinander zu kombinieren, ist ein großer Trend. Denn tolle Muster sehen nicht nur solo gut aus, sondern auch im kreativen Mix&Match. Im Handumdrehen schaffst du so einen absoluten Blickfang.

Wer mit Bedacht einsteigen will, kann langsam mit Längs- und Querstreifen starten. Wähle ein Top in Querstreifen und eine Stoffhose mit Längsstreifen, dazu Sneakers. Das gleiche gilt für Polka Dots – beispielsweise also einen Rock mit großen Punkten zum Top mit kleinen Punkten anziehen.

Die Königsklasse beginnt dann, wenn du unterschiedliche Muster zu coolen Stilbrüchen vereinst. Vergiss dabei nicht, dass Prints Kontraste lieben. Es ist also eine super Idee, auffällige Prints mit besonders schlichten Mustern zu tragen. Und dann gibt es noch einen einfachen Trick: Wenn die gewählten Muster aus einer Farbwelt stammen, sind deiner Experimentierfreude keine Grenzen gesetzt. Wie ein »roter Faden« zieht sich die Nuance im Ergebnis durch dein stimmiges Outfit. Leo mit Stripes, Flowers mit Karo, Snake mit Ethno oder Paisley mit Polka Dots – es gibt nur noch ideale Stilbruch-Partner.

Tipp: Wenn du Muster mischst, verzichte lieber auf zusätzliche Stilmixes. Ein edler Karoblazer zum eleganten Blumenkleid funktioniert. Lass aber lieber die Finger von Mixes aus romantischer floraler Rüschenbluse im Team mit der Leo-Jogginghose. Accessoires generell dezent einsetzen.


Ein Klassiker des Stilmixes: Sneaker & Business-Anzug.

► Stilmix

Beschäftigt uns auch schon länger als Trend und ist mein heißer Tipp um effektvoll Stilbrüche zu kombinieren: der Stilmix. Die Mischung aus edel und lässig beispielsweise ist ein Erfolgsrezept für coole Freizeit-Looks. Das beste Beispiel dafür: Hoodies unter Blazern tragen und das ganze mit einer schmalen Hose und angesagten Combat Boots perfektionieren.

Egal, was für Stile du wählst: elegant zu leger, rustikal zu feminin, puristisch zu verspielt – die Idee ist, Kleidungsstücke aus verschiedenen modischen Richtungen miteinander zu kombinieren. Ideal ist dabei, für ein Gesamtoutfit nur ein Kleidungsstück in einem anderen Stil zu wählen.

Ein Stilbruch-Kombi, die sich mittlerweile durchgesetzt hat, sind Sneakers zum Business-Anzug zu tragen. Je nach Farbe des Anzugs kann sich die Wahl des Sneakers dabei verändern. Weiß und Schwarz passen immer. Abends zu einem edlen Jumpsuit können die Sneakers auch Metallic-Töne haben.

Edle oder romantische Maxikleider mit großflächigen Prints können sich mit dem lässigen Sneaker-Trend auch gut sehen lassen und gehören mittlerweile bei vielen Fashionistas zum Standard-Repertoire.

Gerade jetzt im Herbst hat der Stilbruch Hochsaison: Verlängere einfach die Tage deiner Lieblings-Sommerkleider und ziehe unter das Kleid mit Spaghetti-Trägern Langarmshirts. Mit Boots und kurzer Lederjacke kombiniert entsteht ein wirklich toller Look. Viele Looks bekommen mit einem einzigen Piece aus der Athleisure-Ecke einen extrem spannenden Twist. Zum Beispiel kannst du einen wadenlangen goldenen Plisseerock mit einem XXL Kapuzenpulli in Grau kombinieren. Oder umgekehrt eine coole Sport-Leggings mit einem weißen Chiffon-Top, Blazer und Sneakers aufwerten. Oder zur weiten grauen Jogginghose eine enges Pailletten-Top und High Heels kombinieren.


7 Stilbruch Styles, die einfach überzeugen

► Pulli zu Sommerkleid

Winter oder Summer Season? Egal! Mit diesen Stilbruch-Looks interessieren dich die Temperaturen draußen nicht mehr. Mit wärmenden Teammates verwandelst du jeden Sommerlook in einen außergewöhnlichen Herbst-Style.


► Combat Boots zu Maxi-, Midi- oder Minirock

Hart und zart zugleich: Der aktuelle Schuhtrend sind klobige Boots mit Plateaus oder groben Sohlen. Wage den Stilbruch und kombiniere sie mit femininem Plisseerock, romantischen Millefleurs Kleidern in Mini-, Midi- oder Maxilänge. Der Kontrast von hart zu zart sorgt für Spannung in einem Look.


Muster zu Muster

Aufregender geht es kaum: Die verschiedenen Prints im Stilbruch-Mix machen jeden Look zu einem Eyecatcher.

 


► Leder zu Spitze, Wolle & Co. – Materialien im Mix

Kein anderes Material eignet sich so gut dazu, Stilbrüche zu zaubern wie Leder. Dabei machen besonders edle Stoffe wie Spitze oder Chiffon sowie gröbere Materialen wie Strick den entscheidenden Unterschied.


► Stilmix

Erfordert etwas modisches Fingerspitzengefühl – aber richtig dosiert entstehen durch den gekonnten Mix von scheinbar gegensätzlichen Stilen unverwechselbare Outfits. Wow!


► Dressing up Athleisure

Auch in Sachen Materialien ist bei diesem Trend alles erlaubt. Nimm als Basis eines deiner Standard-Outfits und ersetze ein Piece durch einen Athleisure-Look. Voilà!


► Business meets Streetwear

Klassische Office-Looks mit Sneakers zu brechen, ist ein wirksames Mittel, um die nötige modische Spannung in die Looks zu bringen. Ein Stilbruch, der sich mittlerweile etabliert hat. Auch perfekt für den Casual Friday oder um Freunde nach dem Job zu treffen.

Stilbrüche haben mittlerweile in den Looks jeder Fashionista einen festen Platz. Denn sie machen individuelle und unverwechselbare Outfits erst möglich. Spielen sie auch eine Rolle in euren Styles? Schreibt mir gern in den Kommentaren.

von

Meine Liebe zu Mode und Kommunikation hat mich zu Ana Alcazar gebracht – als Texterin & Konzepterin in der klassischen Werbung groß geworden, schreibe ich seit fast 10 Jahren für unser Münchner Designerlabel. Im Redaktionsteam bin ich für alle Corporate-Themen zuständig, außerdem befasse ich mich hier mit aktuellen Trends & meinem Herzensthema Gleichberechtigung,

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