Jun 29, 2020

11 Musikvideos, die die Mode nachhaltig beeinflusst haben

Mode und Musik, das war schon seit jeher ein untrennbares Team. Beides, der Kleidungsstil und die Musik, die man hört, scheinen sich gegenseitig zu bedingen. Warum ist das so? Vor allem dient Mode der Inszenierung der eigenen Persönlichkeit, was man trägt spiegelt in gewisser Weise wider, wer man ist. Der individuelle Stil ist daher ein Zeichen des Selbstausdrucks. Für die Musik gilt in vieler Hinsicht das Gleiche: Die kurzen Flapperkleidchen der Charleston-Girls in den 1920ern, die Jeans und Lederjacken der Rock’n Roll Generation in den 1950ern, die bunten Hemden und Flatterkleider der Hippiegeneration und natürlich der klassische HipHop-Style der 90er bestehend aus Baggypants, Hoodies und Sneakern – das gesamte 20. Jahrhundert ist voll von Beispielen, wie sich Musik und Mode gegenseitig bedingen und neue Trends und Stilrichtungen hervorbringen.

Musik und Mode – ein Lebensgefühl

Seit den 1950ern prägt die Musik die Mode ganz maßgeblich. Stars wie Elvis Presley und Billie Holiday machten den Rockabilly-Look nicht nur in den USA populär. Und jede spätere Generation, von den Beatniks über die Hippies bis hin zur Punk-, Heavy Metal-, Disco- und Pop-Generation brachte ihre eigenen Stile und Looks hervor. Filme wie „Saturday Night Fever“ aus den 70ern avancierten zu Kult-Klassikern und prägten ganze Generationen. In den 80ern schließlich, im Zeitalter der Superstars, war mit dem Musiksender MTV ein Medium geboren, das den Starkult regelrecht befeuerte. Künstler wie Michael Jackson und Madonna wurden zu Ikonen und erreichten mit ihren aufwändig gedrehten Musikvideos ein Millionenpublikum. Auch die Verbindung zwischen Musik und Mode wurde durch MTV noch einmal verstärkt. Bald ging es nicht mehr nur um die Musik, sondern ebenso sehr auch um die Looks, die in den Videos gezeigt wurden. Ob Madonna mit ihrer Netzstrumpfhose, ihrem Bombshell-Bra oder ihrer blonden Mähne, ob Prince mit seinem Neo-Romantik-Look oder Michael Jackson mit weißen Socken in den schwarzen Loafern – Was die Stars trugen war fast genauso bedeutsam wie das, was sie sangen. Manchmal wurden jedoch auch Stars zu Stilikonen, die diesen Status gar nicht haben wollten und mehr oder weniger zufällig die Mode geprägt haben. Welche Musikvideos die Modewelt ganz besonders beeinflusst haben, zeige ich euch hier:

Nirvana – Smells like Teen Spirit

Eines der kultigsten Musikvideos der 90er hat eine ganze Generation modisch geprägt ohne es zu wollen. Kurt Cobain, Frontman der Grungeband Nirvana, hatte niemals vor, eine bestimmte Mode- oder Stilrichtung zu prägen – im Gegenteil! Grunge per se definiert sich gerade über die Ablehnung jeglicher modische Zwänge oder Regeln, der stillose Schlabberlook sollte ein Gegengewicht zur Glitzerwelt des Pop und des damals populären Glamrock darstellen. Mit schmuddeligen Alltagsklamotten wollten die Jungs von Nirvana  sich abgrenzen vom Modehype, von Konsum und Selbstdarstellung. Doch spätestens mit ihrem Video zu Smells like Teen Spirit haben sie genau das Gegenteil erreicht: Der lässige Grunge-Look wurde quasi über Nacht populär und Teenager auf der ganzen Welt machten fortan abgetragene Jeans, Sweatshirts und löchrige Strickjacken zu ihrem Look.


Spice Girls – Wannabee

Ein paar Jahre später lieferte die britische Girl-Group Spice Girls einen krassen Kontrast zum melancholischen Grunge. Die späten 1990er waren geprägt von einer quietschbunten Fröhlichkeit, die im Falle der Spice Girls fast ans Manische grenzte. Die Girl-Group aus der Retorte wurde von ihrem Management ganz bewusst so konzipiert, dass jedes der fünf Spice Girls einen bestimmten 90s Look verkörperte: Mel C, alias Sporty Spice stand für den neuen Athleisure-Look mit Sneakers, Tracksuits und bauchfreiem Trainingstop. Emma, auch Baby Spice genannt, trug Zöpfchen und rosa Babydoll-Kleider. Victoria Beckham, alias Posh-Spice ging als die Lady mit engem Etuikleid und akkurat geschnittenem Bob. Gerri Halliwell wurde Ginger Spice  genannt und in ultraknappe Miniskirts und Overkneeboots gesteckt. Mel B hingegen, als einzige Person of Colour der Gruppe, trug als Scary Spice oft Kostüme mit Leo-Print und einen wilden Afro. Der Clou: Jedes Mädchen, ganz gleich welcher Stilrichtung sie angehörte, konnte sich mit einer der Spice Girls identifizieren. Wannabe, die erste Single der Gruppe, schlug dementsprechend auch ein wie eine Bombe und dominierte wochenlang die Charts.


Britney Spears – Baby One More Time

Kaum ein Musikvideo der 90er hat diesen Kultstatus erreicht. Britney Spears landete mit ihrem Song Baby One More Time nicht nur einen Hit, sondern sorgte auch für das vielleicht sexieste Musikvideo des Jahres 1998. Spears setzte sich mit ihrer Idee durch, das Video in einer Schule mit Schuluniform spielen zu lassen und brachte so den Schulmädchen-Look – in Folge kopiert von Millionen Teenagerinnen weltweit- ganz groß heraus.


Avril Lavigne – Complicated

Wiederum ein Gegengewicht zu diesem sexualisierten Girl-Look stellte die Sängerin Avril Lavigne dar. Ihr Skater-Punk-Stil bestehend aus Baggy Pants, Tank Top und Krawatte wurde zum Signature-Look einer ganzen Generation und prägte die Emo-Kids der Jahrtausendwende maßgeblich. Unangepasst, rotzfrech und selbstbewusst – ein soviel besseres Vorbild als Frau Spears.


Olivia Newton-John – Physical

Machen wir einen Sprung zurück in die 1980er. Damals war die Aerobic-Welle DAS Ding und Olivia Newton John eine der Ikonen dieser Fitness-Bewegung. Ob das an ihrem Musikvideo zu Physical lag? Die Vermutung liegt jedenfalls nahe. Hautenge Leggings, Beinstulpen und Sweatbänder haben sich seitdem nie wieder so gut verkauft. Obwohl wir mit dem Athleisure-Trend gerade wieder auf bestem Wege dorthin sind…


Cher – If i could turn back time

1989 landete Cher mit If I could turn back time nicht nur ganz weit oben in den Charts, sondern rief auch alle verfügbaren Sittenwächter auf den Plan. Der Grund: Ihr Look im dazugehörigen Musikvideo war derart skandalös, dass sich einige Musiksender gar weigerten, den Clip zu zeigen. Wer erinnert sich nicht daran? Cher tanzt darin vor dem Navy-Schlachtschiff USS Missouri und einer Gruppe begeisterter Matrosen. Dabei trägt sie nichts weiter als einen String-Body, eine Netzstrumpfhose und eine Lederjacke. Es wäre vielleicht zu viel gesagt, dass ihr halbnackter Look die Mode jenen Jahres prägte, doch in Sachen Sex-Appeal liegt dieses Video wirklich weit vorne.


Kriss Kross – Jump

Das junge HipHop-Duo Kriss Kross sorgte Anfang der 90er Jahre für einen kurzen, aber intensiven Trend: Plötzlich begannen Kids damit, sich die Hosen und Hoodies verkehrt herum anzuziehen, eben genau wie es 1992 die dreizehnjährigen Rapper Chris Kelly und Chris Smith in ihrem Video Jump vorgemacht haben. Ihr Erfolg war so gewaltig, dass sie mit ihrer Hitsingle nicht nur die Charts stürmten, sondern auch noch als Vorgruppe ihres großen Idols Michael Jackson auf Tour gehen durften.


No Doubt – Don’t speak

Einer der schönsten Break-Up-Songs ever wurde von Gwen Stefanie gesungen, die vielleicht betörendste Ikone der 90er. Mit diesem Song wurde die Band No Doubt über Nacht weltberühmt und Gwen’s Look – roter Lippenstift, platinblonde Haare und Polka-Dot-Kleid – galt bis heute als DER Look der 90er!


TLC – Creep

TLC trug den Pyjama-Look schon bevor er Trend wurde. Nämlich bereits im Jahr 1994 in ihrem Video zum unvergessenen Klassiker Creep. Die drei Sängerinnen galten Mitte der 90er als die totalen Stilikonen und wurden sogar zu den einflussreichsten Frauen des Showbiz gekürt.


Aerosmith – Cryin‘

Erinnert ihr euch noch, wie wir damals alle ein Bauchnabelpiercing wollten? Das lag zu einem großen Teil an Alicia Silverstone und ihrem Auftritt im Aerosmith Video Cryin‘. Nicht nur trug Silverstone in diesem Clip der Reihe nach alle Trends der 90er (Blümchenkleid, Jeans-Shorts, Karohemd), sondern eben auch dieses sagenhafte Bauchnabelpiercing für das jedes Mädchen damals alles gegeben hätte.


Robert Palmer – Addicted to Love

Noch einen kleinen Ausflug zurück in die 80s. Der grandiose Robert Palmer mit seinem Hit Addicted To Love, hat wie kaum ein anderer das Look&Feel der Yuppie-Generation eingefangen: Seine Backgroundsängerinnen trugen schwarze Minikleider, straff zurück gekämmte Haare, dunkelroten Lippenstift und Smokey-Eyes, die diesen Namen wirklich verdient haben. Damit hat Robert Palmer den Look einer ganzen Generation dargestellt, nämlich den der Börsenhaie, Karrierefrauen und Yuppies, die die frühen 80er prägten.

 

Joana

von

Betreibt eine kreative Wortschmiede. Kosmopolitisch, interkulturell, bunt. In love with: Denim, Strick und Loafers in allen Formen und Farben. Außerdem: Color Blocking und punkige Stilbrüche. Geht gar nicht: Pailletten, Crop Tops, Samt.

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