Sep 27, 2018

Get dressed! Das große Dresscode 1×1

Wer jemals in eine königliche Familie eingeheiratet hat, der weiß wie tückisch Kleiderregeln sein können. Aber auch für uns Normalos gibt es in der Geschäfts- und Gesellschaftswelt jede Menge Fallstricke, die uns schier in den Wahnsinn treiben können. Niemand will ja over-  oder noch schlimmer – underdressed sein, vor allem nicht, wenn es um wichtige Termine wie Geschäftsessen, oder Events geht.

Deswegen haben sich schlaue Köpfe die berüchtigten Dresscode-Formulierungen einfallen lassen. Dumm nur, dass sich diese Formeln für Neulinge eher anhören wie böhmische Dörfer. Wenn ihr also hilflos zwischen Black und White Tie, oder zwischen Business Casual und Semi-Formal navigieren müsst, dann hilft euch vielleicht dieser kleine Dresscode Guide weiter. Hier erfahrt ihr, was der Unterschied zwischen einem großen und einem kleinen Gesellschaftsanzug ist, und ob ihr Peeptoes zum Cocktailkleid tragen dürft, oder nicht.

Meghan & Harry bei ihrer Hochzeit im Mai 2018

Die Royal Family hat einen extrem strikten Dresscode – das bekommt seit Mai 2018 auch das neue Familienmitglied Meghan zu spüren.

Was steht auf eurer Einladung?


Dresscode: Casual

Fangen wir einfach an. Der Casual Dresscode bezeichnet gehobene Freizeitkleidung. Gehoben bedeutet hier: Gepflegt, und nicht zu leger. Klassische Jeans sind ebenso in Ordnung wie Chinos, Stoffhosen, oder (nicht zu kurze) Röcke und Freizeitkleider. Dabei darf es ruhig bunt und gemustert zugehen. Dazu funktionieren klassische Oberteile wie Pullover, Poloshirts und auch T-Shirts sowie allgemein der Preppy Style. Von auffälligen Aufdrucken oder allzu gewagten modischen Experimenten solltet ihr aber trotzdem die Finger lassen.

Das geht für sie: Sommerkleider, Maxidresses, Chinos, leichte Blusen, Sandalen oder Ballerinas.
Das geht für ihn: Jeans, Poloshirt, kurzärmlige Hemden, T-Shirts, Chinos, Tuchschuhe oder Loafers.
No-Gos: Jeans im Destroyed-Look, Jogginghose, T-Shirts mit Slogans, Miniröcke und -Kleider, zu tiefe Ausschnitte.

Casual – der Everyday-Büro-Look


Dresscode: Smart Casual

Smart Casual bezeichnet die richtige Balance zwischen Lässigkeit und Eleganz und liegt irgendwo zwischen Casual und Business. Hier ist besonders viel Fingerspitzengefühl gefordert, denn die Übergänge sind fließend. Der Smart Casual Look ist in Europa gewöhnlich die Bürokleidung in jungen Unternehmen und darf ruhig modisch und stylisch sein. Culottes und Marlenehosen mit stylischen Oberteilen gehen genauso wie Tellerröcke oder leichte Hosenanzüge.  Beim Smart Casual Look sind legere Sandalen oder Sneakers relativ unüblich, in bestimmten Fällen aber durchaus in Ordnung. Peeptoes oder Ballerinas gehen aber in jedem Fall.

Das geht für sie: dunkle Jeans, T-Shirt oder Bluse und Cardigan; seriöse Tageskleider, unifarbene T-Shirts und Pullover.
Das geht für ihn: Jeans, Hemd oder unifarbenes T-Shirt und Sakko, Chinos und Button-Down Hemd, Cardigan, Jackett oder Pullover.
No-Gos: Used-Look, sehr kurze Röcke, zu tiefe Ausschnitte, kurze Hosen und kurze Ärmel bei Männern, schulterfrei bei Frauen.

Smart Casual Outfits

Das digitale Volk & die Werbeagenturen sind die Könige des Smart-Casual-Looks


Dresscode: Business Casual

Beim Business Casual Look geht es schon etwas formeller zu. Jetzt lasst ihr die Sneakers besser im Schrank und setzt statt auf T-Shirts lieber auf Blusen und Hemden. Der Business Casual Look gilt in gehobenen Unternehmen und Gesellschaften als eher informell und wird zum Beispiel bei Geschäftsreisen oder lockeren Geschäftsessen getragen.

Das geht für sie: leichte Hosenanzüge oder einfarbige, knielange Kleider und Röcke, dezent gemusterte oder unifarbene Blusen, Pumps oder Loafers.
Das geht für ihn: Dunkler Anzug mit farbigen Oberhemden, Krawatte ist kein Muss.
No-Gos: Stark gemusterte Kleider oder Oberteile, offene Schuhe, Jeans, Chinos, oder T-Shirts.

Beim Business Casual kann man die Krawatte schonmal weglassen und das Jackett ausziehen. Aber bitte nicht zu legérè!


Dresscode: Business Formal / Business Attire oder Tenue de ville

Der Dresscode Business Formal, auch Business Attire oder Tenue de ville genannt, steht für elegante Business-Outfits, die bei formellen Anlässen getragen werden. Hier bleibt kaum noch Raum für modische Spielereien: Für Männer ist ein gut geschnittener zwei- oder dreiteiliger dunkler Anzug von guter Qualität Pflicht, dazu wird ein weißes oder pastellfarbenes Hemd getragen. Frauen tragen Hosenanzug oder Kostüm mit hautfarbenen Strumpfhosen und geschlossenen Pumps.

Das geht für sie: Knielange Bleistiftröcke, weiße Bluse, Blazer, Etuikleid, Pumps bis zu maximal 8cm Absatzhöhe.
Das geht für ihn: Dunkler gut gewebter Anzug im klassischen Schnitt, Krawatte, weißes oder hellblaues Hemd, ggf. Einstecktuch.
No-Gos: schlecht sitzende Kleidung, fehlende Krawatte, gemusterte Hemden und Blusen.

Nicht nur politisch auf einer Linie – Merkel & Macron sind Profis im Business-Formal-Dresscode


Dresscode: Semi-Formal

Achtung Falle! Semi-Formal bedeutet nicht, wie der Name nahelegen würde, dass es bei diesem Anlass nur semi-formell zugeht. Vielmehr bedeutet Semi-Formal ein Mix aus Tages- und Abendgarderobe. Hier kommt es also auf die Uhrzeit an: Bis 18:00 kann ein Semi-Formal Outfit ein Business Formal Outfit sein, ab 18:00 erscheint man dann in Abendgarderobe, bzw. im Cocktail- bzw. Abendkleid und Smoking.

Das geht für sie: Tagsüber ein gut geschnittenes Kostüm mit heller Bluse oder Etuikleid, abends je nach Anlass knielange Cocktailkleider oder bodenlange Abendroben.
Das geht für ihn: Tagsüber dunkler dreiteiliger Anzug mit weißem Hemd und Krawatte, abends Smoking.
No-Gos: Abends im Business Casual Look auftauchen.

Robert Downey Jr. und seine Frau Susan wissen, wie semi-formal geht…


Dresscode: Come as you are

Fiese Falle! Come as you are bedeutet nämlich nicht, man darf einfach so kommen, wie man will – also im Freizeitlook – im Gegenteil. Come as you are wird meist im After-Work-Kontext verwendet und bezeichnet informelle abendliche Meetings und Events, zu denen man quasi „von der Arbeit aus“ geht, ohne sich vorher noch einmal umzuziehen. Hier gilt der klassische Tagesbusinesslook aus Anzug und ggf. Krawatte, bzw. Kostüm oder Hosenanzug.

Das geht für sie: Leichte Hosenanzüge, Kostüm oder Etuikleid mit Blazer.
Das geht für ihn: Business Casual Anzug mit oder ohne Krawatte.
No-Gos: Jeans oder Freizeitlook. Cocktaikl- oder Abendkleider sind hier allerdings ebenso fehl am Platz wie zu legere Kleidung.

 Come as you are Looks

Nach der Arbeit zum Event: Come as you are!


Dresscode: Black Tie / Cravate Noir

Jetzt wird es schon super formell. Denkt an Galadinner,  Staatsempfänge, oder die Oscar-Verleihung. Im Black-Tie Modus kommen die Damen im langen Abendkleid oder in einem sehr eleganten Cocktailkleid. Kleidern aus edlen Stoffen wie Satin oder Seide sind hier perfekt, es dürfen auch ausgefallenere Kreationen sein. Allerdings: Je auffälliger das Kleid, umso dezenter die Accessoires und umgekehrt: Wer ein schlichtes Satinkleid trägt, darf ruhig mit Accessoires, Frisur und Makeup auftrumpfen. Unverzichtbar: kleine Abendtaschen wie Cluchtes oder Pochettes und hohe Schuhe.
Für die Herren geht unter einem Smoking gar nichts, das bedeutet: Schwarze Smoking-Weste, weißes Smoking-Hemd mit Stehkragen, Lackschuhe und eine schwarze Fliege.

Das geht für sie: lange Abendroben, elegante Cocktailkleider, hohe Schuhe (Pumps oder edle Sandaletten).
Das geht für ihn: Smoking. Sonst nichts.
No-Gos: zu tiefe Ausschnitte, billig wirkende Kleider, fehlende Fliege beim Herrn, fehlende Abendhandtasche bei der Dame, offene Haare.

Die Oscars sind ein klassischer Black-Tie-Event. Das wissen auch die diesjährigen Gewinner Sam Rockwell, Frances McDormand, Allison Janney & Gary Oldman.


Dresscode: White Tie / Cravate Blanche

Mehr geht nicht. White Tie Events sind die Crème de la Crème der gesellschaftlichen Empfänge, hier nimmt man es ganz genau. Der Herr trägt den großen Gesellschaftsanzug – tagsüber einen Cut und abends einen Frack. Klassische White-Tie Anlässe sind zum Beispiel der Wiener Opernball, Staatsempfänge, Nobelpreisverleihungen, oder königliche Hochzeiten. Hier gilt: Herren tragen keinen Smoking, sondern einen Frack mit weißem Frackhemd, Hosenträgern, Weste und weißer Fliege. Frauen tragen lange Abendroben, gern mit Schleppe, Hochsteckfrisuren und hohe Schuhe.

Das geht für sie: Lange Roben aus Satin oder Seide, eleganter Schmuck, Pumps.
Das geht für ihn: Frack, Galauniform (bei Militärangehörigen), tagsüber Morning Cut.

No-Gos:
Bei Herren: Die falsche Hose zum Frack. Eine Frack-Hose erkennt man am doppelten Seidenstreifen an der seitlichen Naht. Die Smoking-Hose hat dagegen nur einen Streifen.
Bei Damen: Cocktailkleider, zu enge oder zu tief ausgeschnittene Kleider, Strass & falscher Schmuck.

White-Tie-Event Opernball

Der Opernball ist ein klassisches White-Tie-Event

Übrigens: der Kleine Gesellschaftsanzug, auch Stresemann genannt, wird so gut wie nicht mehr gefordert. Die veraltete Regel beschreibt eine Kleiderordnung für Männer ab vormittags bis maximal 15 Uhr bei festlichen Anlässen wie Hochzeiten oder Taufen. Dress up!

Joana

von

Betreibt eine kreative Wortschmiede. Kosmopolitisch, interkulturell, bunt. In love with: Denim, Strick und Loafers in allen Formen und Farben. Außerdem: Color Blocking und punkige Stilbrüche. Geht gar nicht: Pailletten, Crop Tops, Samt.

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