Jan 23, 2014

You rock! Dresscode für ein erfolgreiches Vorstellungsgespräch.

Aktualisiert am 4. August 2022

»Wir würden dich gern kennenlernen.«, so lautet der magische Satz, der dir die Tür in dein Wunschunternehmen öffnen kann.

Meist geht es dann schnell und in absehbarer Zeit findet dein Vorstellungsgespräch statt. Und damit ist die eine große Frage auf dem Tisch: »Was ziehe ich an, um zu überzeugen?« Damit dir die Outfitwahl leichter fällt und du alle Fallstricke in Sachen richtige Kleidung beim Vorstellungsgespräch schon im Vorfeld kennst, lohnt es sich weiterzulesen!

Ausschlaggebend: Persönlichkeit und »Cultural Fit«

Es gibt keine zweite Chance für den ersten Eindruck. Wie also sollte das Outfit beim Bewerbungsgespräch sein, das dich schon auf den ersten Blick ins Spiel bringt? Erstens sollte es zu dir und deiner Persönlichkeit passen – es nutzt schließlich nichts, wenn du dich für das Treffen mit potentiellen Kollegen und Chefs verkleidest. Und ob wir es wollen oder nicht, durch die Wahl unserer Kleidung setzen wir ein Statement und machen eine Aussage über uns und unsere Haltung. Je wohler und damit sicherer du dich fühlst, desto authentischer, selbstbewusster und präsenter wirst du wirken: Was also macht dich als Person aus? Was möchtest du durch dein Outfit ausdrücken? Das alles kannst du über deinen Look kommunizieren. Denn dieser ist das erste, was dein Gegenüber an dir wahrnimmt. Noch bevor ihr »Hallo« sagt und das Jobinterview beginnt.

Aus meiner Sicht ist das entscheidende Kriterium überhaupt der sog. »Cultural Fit«. Wenn dich ein Unternehmen zum Gespräch einlädt, traut man dir in der Regel zu, dass du der Rolle inhaltlich und in Sachen Kompetenz gewachsen bist. Häufig will man auch herausfinden, ob du ins Unternehmen und ins Team passt und ob du die Firmenwerte teilst. Das ist eine Frage der inneren Haltung, welche sich durchaus auch in der Kleidung widerspiegelt. Bei einer Bank würdest du sicher nicht in einem T-Shirt-Kleid und mit offenen Sandalen vortanzen. Bei Start-ups oder Agenturen geht es meist betont leger zu, vermutlich ist es hier besser, das klassische dunkelblaue Kostüm im Schrank zu lassen. Verwende also ruhig etwas Zeit darauf, dich mit der Kultur deines Wunschunternehmens auseinanderzusetzen. Checke einfach einmal die Website oder schau dir an, wie sich das Unternehmen auf Social Media präsentiert. Interessant können auch Bewertungen auf Portalen wie Glassdoor oder Kununu sein.

Ob du dich bei einer Bank oder einer Drogerie bewirbst macht einen himmelweiten Unterschied bei der Wahl deines Bewerbungsgespräch-Outfits.

Wer schon einige Jahre Berufserfahrung hat und innerhalb derselben Branche wechseln möchte, hat sicher vor Berufseinsteigern einen Vorteil. Denn nicht umsonst zieht es die einen in die Kreativbranche und die anderen in eine Bank oder Unternehmensberatung. Allein diese Wahl ist eng mit deiner Persönlichkeit und deinen Talenten verknüpft. Doch auch, wer seine Branche eigentlich kennt, sollte sich die Mühe machen, sich bei einem angestrebten Wechsel mit den Gepflogenheiten in der angestrebten Firma auseinanderzusetzen. Diese können nämlich im Einzelfall überraschen. Ein Beispiel aus meiner Erfahrung: Ich war zum Gespräch bei einer Smartphone-Bank und staunte nicht schlecht, als mir alle mit Sneakers entgegentraten. Es lohnt sich also, genauer hinzuschauen! Wer sich angemessen kleidet, zeigt, dass er sich auf das Vorstellungsgespräch vorbereitet hat und dieses ernst nimmt. Je höher du in der Hierarchie eines Unternehmens einsteigst, desto kritischer wird unpassende, übermäßig figurbetonte oder auffällige Kleidung bewertet. Egal, in welcher Branche du dich bewegst – zu viel stilistische Extrovertiertheit schadet fast überall beim Vorstellungsgespräch.

Aber vergiss trotzdem nicht: Du bist deine eigene Marke, welche du auch in deinem Outfit beim Bewerbungsgespräch verkaufen willst. Je klarer und bewusster du definierst, wie du auf andere wirken möchtest, desto treffsicherer wird deine Wahl sein.

Ein paar Basics – stilistische No-Gos im Jobinterview

Auch, wenn wir die Präferenzen des potentiellen Arbeitgebers nur erahnen können, gibt es ein paar Pieces, die bei jedem Vorstellungsgespräch unangemessen sind.

Darauf solltest du branchenunabhängig verzichten:

► Mini- und Maxilängen bei Röcken und Kleidern
► Oversized Cuts
► Tiefe und betonte Dekolletés
► Plakative, farbenfrohe Prints
► Spaghetti-Träger
► T-Shirts mit provokanten Motto-Sprüchen oder bunten Motiven
► Zuviel Haut zeigen (Beine, Schultern)
► Mega High-Heels
► Pailletten, Strass und zu viele Dekors
► Bohemian-Styles
► Offene Schuhe: Flip Flops, Espadrilles, Römer-Sandalen, Schnürsandalette
► Weiße Tennissocken
► Zu viele Accessoires (Expert*innen raten, nicht mehr als neun Dinge sichtbar zu tragen!)
► Transparenzen

Im Startup gehts eher leger zu, dennoch solltest du auch hier die Dresscode-No-Gos vermeiden.

 

Die ideale Kleidung fürs Vorstellungsgespräch. So geht es richtig!

Im Idealfall zeigt dein Look die Identifikation mit dem potenziellen Arbeitgeber – passend zur Branche und ohne, dass du dich und deinen persönlichen Stil verleugnest.

► Achte darauf, dass dein Outfit nicht zu stark von dem abweicht, was du in der Firma Tag für Tag tragen wirst.

► Eigentlich selbstverständlich: Lege Wert auf ein gepflegtes Erscheinungsbild und gebügelte Kleidung.

► Wähle einen Look, in dem du dich wohlfühlst. Nichts ist unpassender, als bei dem Interview ständig an der Bluse zu zupfen oder den Rock zurechtzurücken.

Farbfragen: Kombiniere nicht zu viele Farben miteinander und wähle klassische Nuancen wie Blau, Dunkelgrün, Grau oder Weiß. Überhaupt gilt Blau als die ideale Farbe für Job-Interviews. Blau strahlt Professionalität, Vertrauenswürdigkeit und Sozialkompetenz aus. Rot hingegen sollte sehr sparsam eingesetzt werden. Schwarz verleiht Professionalität und vermittelt den Eindruck von Kompetenz, sollte aber durch passende Kombi-Teile etwas aufgelockert werden.

Stichwort Unternehmensfarben tragen: Das ist wohl eine Geschmackssache und ein vieldiskutiertes Thema. Ich persönlich finde es zu plakativ, sein Outfit auf die Unternehmensfarben anzupassen. Der ein oder andere Personaler fasst das positiv auf und wertet es als Identifikation mit der Firma. Im schlimmsten Fall sieht er/sie das aber als zu »gewollt« an.

► Achte auf gute Passform und Details (BH sollte nicht durchblitzen)

Tipp: Entscheide dich im Zweifel für das elegantere Piece.

► Trage dezentes und natürliches Make-up auf (Wimperntusche, Puder, Rouge) – vermeide roten Lippenstift, der ist einfach zu sexy.

Andere Branchen, andere Sitten – wo du dich bewirbst, macht einen Unterschied

Unterschätze nicht, wie unterschiedlich Unternehmen aus verschiedenen Bereichen ticken. Nicht umsonst hast du dich mit deiner Bewerbung schon in eine Richtung, welche dir entspricht, positioniert und damit wahrscheinlich ein gutes Gefühl für deinen Wunscharbeitgeber. Um dir einen grundsätzlichen Überblick zu geben, worauf es wo ankommt, habe ich ein paar Branchen näher betrachtet – und die Unterschiede in Sachen Kleidung fürs Vorstellungsgespräch sind definitiv vorhanden. 

► Wo Individualität Trumpf ist: Marketing, Werbung, Medien, Mode

In diesen Bereichen ist Kreativität gefragt – deswegen hat man sich hier vom konservativen 0815-Look verabschiedet. Casual Looks mit Sneakers sind vor allem bei den jungen Wilden an der Tagesordnung, auch modischen Akzente sind erwünscht. Man bewegt sich schließlich am Puls der Zeit. Jeans sind möglich, ebenso farbliche Akzente oder Statement-Accessoires. Stilsichere Röcke und Kleider passen ins Bild – mit oder ohne Longblazer. Aber auch hier sollten sie übers Knie reichen. Auch angesagte Zweiteiler passen perfekt in diese Branche.



► Vertrauen als Basis: Banken- und Versicherungen, Consulting, Unternehmensberatung

In diesen Branchen geht es um Seriosität, um Zuverlässigkeit und Vertrauen. Exakt das soll der Dresscode transportieren. »Weniger ist mehr« – so könnte das stilistische Motto lauten. Minimalistische Hosenanzüge oder exzellent geschnittene Kostüme prägen das Bild. Farben wie Grau oder Dunkelblau symbolisieren Kompetenz. Dezenter Schmuck und klassische Pumps verleihen den letzten Schliff.



► Fakten regieren die Welt: IT-, Technologie-, Pharma- oder Automobilbranche

Das Mindset in diesen Branchen ist häufig logisch-analytisch. Das wirkt sich auch die die Kleidung aus. Man wählt schlichte, dezente, pragmatisch-sportliche Looks. Zu prätentiöses Auftreten ist hier eher ungewöhnlich. Für das Vorstellungsgespräch eignet sich ein klassischer Hosenanzug mit weißer oder fein gestreifter Bluse. Aber auch ein Gesamtlook mit Jeans, weißem Hemd und klassischem Blazer macht einen guten Eindruck.



► Hier menschelt es: Dienstleistung – Gastronomie, Hotel oder Verkauf

In diesen Branchen geht es um Nahbarkeit und das Talent, höflich und gewinnend mit Menschen umgehen zu können. Wer sich für einen Job im Dienstleistungssektor bewirbt, darf ruhig zu einem legereren Outfits fürs Bewerbungsgespräch greifen. Wie wäre es mit einer Stoffhose und einem schicken Oberteil oder einem schlichten Kleid mit Blazer? Modische Akzente nach dem individuellen Geschmack zeigen, dass du auf ein gepflegtes Äußeres achtest und so im direkten Kundenkontakt gut ankommst.



► Verbindlichkeit zählt: Öffentlicher Dienst, Bildung

Verständnis, Einfühlungsvermögen und Empathie – diese Eigenschaften sind in diesen Branchen gefragt. Alle Looks, welche Perfektion und Distanz ausdrücken, sind folglich fehl am Platz. Ideal sind en Kleid oder ein Rock plus Bluse und Seidenschal. Kurz: Pieces, welche feminin, aber nicht zu konservativ wirken. Flache Schuhe symbolisieren die nötige Bodenhaftung.



Und zum Schluss: Das Videointerview

Im Zuge der Pandemie sind viele Firmen dazu übergegangen, Interviews via Teams, Zoom oder Skype zu führen. Neben dem Lichteinfall (diffuses Licht von vorne ist ideal) solltest du unifarbene Oberteile und Blazer wählen. Halte dein Outfit clean sowie formal und vermeide unbedingt starke Muster.

 

Wichtig: Gemustertes beim Video-Interview lieber weglassen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Wahl deines idealen Looks fürs Vorstellungsgespräch von mehreren Faktoren abhängt: Neben der Branche und der individuellen Kultur des jeweiligen Unternehmens spielt auch dein persönlicher Geschmack eine entscheidende Rolle. Die Kunst besteht also darin, das richtige Maß zu finden – und sich dabei selbst treu zu bleiben. Das ist eine feine Abwägung, eine Gratwanderung. Wenn du dir über all das Gedanken gemacht hast, bleibt nur noch eines: Du musst dich in deinem Outfit rundum gut fühlen. Ich drücke ich dir beide Daumen für das Interview und wünsche dir am Ende des Bewerbungsprozesses ein begeistertes: »Glückwunsch! Sie haben den Job.«

Teile gern deine persönlichen Erfahrungen mit Jobinterviews mit uns. Ich freue mich über deine Insights.

von

Meine Liebe zu Mode und Kommunikation hat mich zu Ana Alcazar gebracht – als Texterin & Konzepterin in der klassischen Werbung groß geworden, schreibe ich seit fast 10 Jahren für unser Münchner Designerlabel. Im Redaktionsteam bin ich für alle Corporate-Themen zuständig, außerdem befasse ich mich hier mit aktuellen Trends & meinem Herzensthema Gleichberechtigung,

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