Dez 31, 2021

Empower yourself! 3 Sätze, die ich 2022 nicht (mehr) hören möchte

Das Jahr neigt sich dem Ende zu und auch für mich ist es Zeit, die letzten Monate Revue passieren zu lassen. Wir haben uns im Ana Alcazar Magazin in den letzten Jahren häufig mit Empowerment & Feminismus-Themen auseinandergesetzt, sei es Bodyshaming, das Gender Pay Gap oder Sexismus im Alltag. Grundsätzlich habe ich das Gefühl, dass die Dinge, die gerade für Frauen in der Gesellschaft eher suboptimal laufen, langsam sichtbarer werden und die Entwicklung von einer immer größeren Menge mitgetragen wird. Endlich geben auch große Medienanstalten Frauen wie der großartigen Carolin Kebekus eine Plattform, um Themen, die uns wichtig sind zu platzieren. Neue Kinderserien wie Ridley Jones von Netflix zeigen, dass auch Mädchen echte Heldinnen sein können und genauso gut die Welt retten, wie ihre männlichen Pendants. Und auch Hollywood zieht mit Filmen wie der letzten Star Wars Trilogie langsam nach, auch wenn starke Frauenrollen in der Filmindustrie immer noch weit unterrepräsentiert sind und weiterhin ca. 50% aller neuerer Blockbuster den Bechdel-Test aus den 80er Jahren nicht bestehen.

Andererseits werden die verschiedenen Diskussionen auch immer härter geführt. Vor allem in den sozialen Medien gibt es kaum Tabus, bis hin zum Überschreiten der Schmerzgrenze. Beschimpfungen sind hier noch das geringste Übel. Und dann hätten wir noch Aussagen wie jüngst vom Vorsitzenden des Bundesverbands der Frauenärzte oder vom Designer Wolfang Joop. Diese machen klar, dass vor uns noch einiges an Arbeit liegt, um gängige Stereotype zu überwinden und echte Gleichberechtigung zu erreichen.

 

Auch ich bin als Frau und Mutter im täglichen Leben mit Aussagen & Fragen konfrontiert, die mein Partner ganz sicher so noch nie gehört hat. Im besten Fall überhöre ich sie oder die Standardantwort muss herhalten, meisten nerven Sie mich aber gewaltig.

Und täglich grüßt das Murmeltier… Eine kleine persönliche Bilanz zum Jahresende

► Du bist aber ganz schön tough

Optional auch: „War das jetzt nicht ein bisschen hart?“. Na, was denn jetzt? Zuviel Weiblichkeit gilt als Karrierestopper, zuviel Durchsetzungsvermögen (eine Eigenschaft, die als typisch männlich gilt) wird aber bei Frauen auch nicht gerne gesehen. Ich weiß, was ich kann und wie genau ich mein Team führen will. Ich habe genaue Vorstellungen davon, wie was wann erledigt werden soll und möchte, auch dass meine Projekte dementsprechend abgeschlossen werden. Ich bevorzuge es, ganz klare Ansagen zu machen, damit keine Missverständnisse aufkommen. Das ist nie persönlich gemeint, sondern dient nur dem effizienten Arbeiten. Dafür wurde ich im Businesskontext im letzten Jahr mehrfach als „zu hart“ bezeichnet. Und immer habe ich danach das Gefühl, mich rechtfertigen zu müssen. Immer wieder mache ich mir dann darüber Gedanken: War das echt zu hart? Wie hätte ich das anderes formulieren können? Wie kann ich das in Zukunft besser machen?

Versteh mich nicht falsch. Ich habe gar kein Problem damit, mein Verhalten zu reflektieren und kann auch Fehler problemlos zugegeben. Das Dilemma, das ich sehe ist, die unterschiedliche gesellschaftliche Wahrnehmung dieser „Härte“. Wo Männer im gleichen Zuge dafür gelobt werden, strukturiert Durchzuziehen, zielstrebig ihre Pläne zu verfolgen und ein fettes Schulterklopfen für ihre Arbeit bekommen, werden meine Eigenschaften ins Negative verdreht. Denn von mir als Frau wird automatisch mehr Empathie und „Weichheit“ erwartet, weil das eben unserer gender-typischen Zuschreibung von Frau = verständnisvolle Care-Arbeiterin entspricht.

► Wieso heißt du denn nicht wie dein Mann?

Wieso genau muss man sich 2021 eigentlich immer noch dafür rechtfertigen, dass man nach einer Hochzeit seinen eigenen Namen behalten will? Dass man nicht zu 20 Behörden laufen will, um offizielle Dokumente zu ändern und plötzlich immer falsch unterschreibt, weil man ja eigentlich ganz anders heißt… Ich liebe meinen Nachnamen und selbst wenn ich den profansten Nachnamen der Welt hätte, hätte ich ihn behalten. Weil das eben mein Name ist, schon immer. Rate, wie oft mein Partner gefragt wurde, wieso er nicht meinen Namen angenommen hat? Genau! 0-mal. (Von der Diskussion: Wieso man trotzdem eine Familie sein kann, obwohl man nicht den gleichen Familiennamen trägt, ganz abgesehen…)

► Mit 6 Monaten schon vollbetreut? Ist das nicht etwas zu früh?

Ich habe 2 Monate nach der Geburt meines Kindes wieder angefangen zu arbeiten. Vier Monate war mein Kind dann noch von Papa und später von Oma betreut, mit 6 Monaten kam es in Vollzeit in die Kita. Heute ist das Kind drei Jahre alt, immer noch voll bereut, normal & glücklich. Und ich bin es auch. Ich liebe meine Job, ich brauche diese Zeit für mich und ich persönlich hätte mir niemals vorstellen können, 2 Jahre lang oder mehr 24/7 nur Mutter zu sein. Jede Frau, die das machen möchte, kann das von Herzen gerne tun, es ist ihr absolut freigestellt.  Ich wollte das nicht. Dass ich mich aber bis heute, fast jedes Mal wenn ich erzähle, dass das Kind schon seit 2,5 Jahren in der Kita ist, rechtfertigen muss, wieso das so ist, ist nicht richtig. Und im übrigen geht es auch niemanden etwas an! Seltsame Blicke sind noch das geringste Übel, ich wurde dafür sogar schon heftig angegangen a la „Wieso schaffst du dir dann überhaupt ein Kind an?“. Dass mein Partner bereits nach 6 Wochen Elternzeit wieder Vollzeit im Büro war, ist hingegen- wenn wundert’s- komplett normal.

Na, kommt dir das bekannt vor? Nein? Dann vielleicht einer von diesen 48 Sätzen, mit denen wir Frauen von jüngster Kindheit an bis ins hohe Alter konfrontiert werden?

Lass es uns 2022 weiterhin angehen! Du musst keine Hardcore Feministin sein oder alle historischen und gesellschaftlichen Zusammenhänge kennen. Es braucht nur etwas Menschenverstand. Wir sind alle gleich und so sollten wir auch behandelt werden!

 

von

Seit 2004 bin ich als Online Redakteurin für verschiedene Blogs, Magazine & Publikationen mit Schwerpunkt Fashion, Lifestyle & Travel tätig. Das Team von Ana Alcazar verstärke ich seit 2011 mit meiner Expertise. Im Ana Alcazar Magazin bin ich für Themenfindung & strategische Contentüberarbeitung zuständig.

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