Dez 17, 2018

Gender Neutral Fashion: Mode löst sich von Geschlechterrollen.

„I think to people, not to gender“, sagte Miuccia Prada bereits im Sommer 2014. Damit hielt sie ein Plädoyer für Genderless Fashion, also geschlechtsneutrale Kleidung, die im Schnitt keinen Unterschied macht und so von Frauen wie Männern gleichermaßen getragen werden kann. Designer verfolgen diesen Trend schon länger in der Haute Couture. Der Designer Rad Hourani  war der erste, der im Jahr 2013 eine geschlechtsneutrale Haute Couture-Kollektion herausbrachte.

View this post on Instagram

#UNISEX #RADHOURANI #COLLECTION RADHOURANI.COM

A post shared by RAD HOURANI (@radhourani) on

Und Transgender-Models wie Andrej Pejic sind seither gefragt und gut gebucht. So langsam kommt diese Entwicklung auch bei einer breiteren Masse an. Mode ist ein Seismograph für gesellschaftliche Strömungen und Genderless Fashion passt zu unserer Zeit, in der Menschen – jeden Alters – ihre eigene Identität freier denn je konstruieren können: Identität stiftet sich nicht mehr zwangsläufig aus der Geschlechterrolle, sondern der gewählte Lifestyle und die bewusste Selbstdefinition spielen eine immer größere Rolle. Unisex-Kleidung trifft den Zeitgeist und kann als Ausdruck von Individualität und Wahlfreiheit gesehen werden – auch und besonders für Menschen, die sich keinem Geschlecht zugehörig fühlen.

Beyond Genders

Ich habe den Eindruck, dass die Boyfriend-Cuts für Frauen schon der Anfang waren. Denn auch sie verschieben die Geschlechtergrenzen bereits. Besonders bei den Millennials und der Generation Z zeigen sich die oben beschriebenen Entwicklungen jetzt deutlich: Sie definieren die Welt neu, prüfen Konventionen und Klischees und stellen vieles, was in Sachen Fashion als üblich wahrgenommen wird, in Frage.

Männer übernehmen mittlerweile häufiger auch die sog. traditionellen Frauenrollen und Aufgaben, während Frauen stärker in der sog. Männerwelt mitspielen. Das spiegelt sich auch in der Mode, die Geschlechtergrenzen nicht nur verschiebt, sondern zunehmend auflöst. Konzepte werden flexibler, bei vielen Designern macht der Aspekt, ob für eine Frau oder für einen Mann kreiert wird, einfach gar keinen Unterschied mehr: Alessandro Michele für Gucci, Nicolas Ghesquière für Louis Vuitton sowie Vivienne Westwood brachten bereits Unisex-Kollektionen. Auch Zara, H&M und Asos sprangen auf den Zug auf.

View this post on Instagram

Does your everyday style challenge conventions of gendered clothing? In March 2019, we’re opening #GenderBendingFashion, an exhibition that will look across a century of boundary-pushing designs, from high fashion to streetwear, that upend traditional ideas about men's and women's garments. The show will highlight both designers and wearers—and we're looking to feature individuals from Boston and New England. . Tell us about your gender-bending style. Share your experience by emailing us at genderbendingfashion@mfa.org. You could have your portrait taken by local photographer @allyschmaling and be featured in the exhibition. . Whether a personal essay, a video or a poem, the format is entirely up to you. Just be sure to include your name, town, and a snapshot (phone photos are OK!) in your email and send it to us by November 30. We look forward to hearing from you. . ?: Anthony, Damon, Maya, Christian and Neemz, photographed by @allyschmaling . Link in profile for more details.

A post shared by Museum of Fine Arts, Boston (@mfaboston) on

Ab März 2019 widmet sich eine Ausstellung im Museum of Fine Arts dem Thema: Gender Bending Fashion, so heißt die Ausstellung in Boston, beschäftigt sich mit dem Auflösen der Geschlechtergrenzen. Dort ist auch die Unisex-Couture des kanadischen Designers Rad Hourani aus dem Jahr 2013 zu sehen.

Gender Diversity bedeutet: Alles für alle.

Dass Frauen Männerkleidung tragen ist nicht neu. Das beste Beispiel sind Hosen, das gilt aber auch für Jacken und Blazer. Besonders deutlich zeigt sich die Annäherung vor allem bei Sport- oder Outdoor-Jacken, die sich für Männer und Frauen kaum mehr unterscheiden. Interessant ist, dass Frauen viel aufgeschlossener sind, wenn es darum geht, Männerkleidung zu tragen. Aktuell noch investieren Frauen mehr in Herrenmode als andersherum. Und genau das verändert sich jetzt. Mit dem sich wandelnden Rollenverständnis der Männer kommen auch andere Dresscodes ins Spiel.  Mittlerweile sieht man vereinzelt und nur im urbanen Raum modebewusste Männer in langen Faltenröcken oder in Hosen mit übergezogenem Kilt. Die Skinny Jeans für Männer ist in der Hipsterszene längst etabliert. Teilweise bekommen Männerstiefel auch einen leichten Absatz.

 

Immer mehr Unternehmen greifen diese Strömungen auf. Die japanische Modekette UNIQLO ließ beispielsweise US-Sänger Pharrell Williams  die Unisex-Kollektion I am other entwerfen. COS oder Gap stellen Hemden, Sweatshirts, Jacken und Jeans her, welche für Männer wie Frauen passen. Acne Studios produziert mehr als 100 verschiedene Variationen von Unisex-Jeans. Und das ist erst der Anfang.

Das Bewusstsein für Gender Diversity, also die Bejahung einer breiten Skala von Geschlechteridentitäten, ist erfreulicherweise im Mainstream angekommen. Diese Vielfalt bereichert und ergänzt die Möglichkeiten von Identität und Selbstausdruck – und somit auch die der Mode.

Christine

von

Fashionista und Schreiberin, die für Euch auf die Jagd nach guten Looks, spannenden Trends und neuesten Style-Inspirationen geht. Und zwischendurch einen Blick hinter die Kulissen von Ana Alcazar wirft, um über People, Shootings und den ganz normalen Wahnsinn eines kreativen Labels zu berichten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.