Sep 30, 2019

Ratgeber Leinen. Das 1×1 rund um Flachsfaserstoffe.

Leinen ist (mal wieder) in aller Munde. Vielmehr auf jedermanns Haut. Was kein Wunder ist, denn das Naturmaterial ist wirklich super angenehm zu tragen und einfach ein toller Stoff. Leider ist Leinen in pflegetechnischer Hinsicht ein kleines Sensibelchen und braucht schon etwas Fingerspitzengefühl. Doch wenn man Leinen richtig pflegt, wird der Stoff mit den Jahren immer schöner und man hat richtig lange etwas davon. Wir zeigen euch, was die Vorteile von Leinen sind und welche Pflege für Leinen richtig ist.

In diesem Ratgeber beantworte ich euch folgende Fragen:


Zahlreiche Schritte sind nötig, um aus dem gemeinen Flachs einen tragbaren Stoff herzustellen.

Was ist überhaupt Leinen?

Leinenstoff besteht aus den Stängeln der Flachspflanze und ist damit eine reine Naturfaser. Bis zum späten 19. Jahrhundert bestand ein großer Teil der Kleidung aus Leinen, mit der Verbreitung der Baumwollspinnmaschine (auch Cotton Gin genannt), wurde der Flachsstoff jedoch nach und nach von der Baumwolle verdrängt. Doch seit Ende des 20. Jahrhunderts gewinnt Leinen wieder vermehrt an Bedeutung, nicht nur aufgrund der besseren Ökobilanz (Leinen verbraucht nur ein Bruchteil des Wassers, den Baumwolle zum Wachsen benötigt!), sondern auch wegen des unschlagbaren Tragekomforts.
Die edle Optik und die gute Luftdurchlässigkeit machen Leinenstoffe so angenehm zu tragen: Ein natürlicher Kühlungseffekt entsteht durch die Besonderheit der Fasern, außerdem ist Leinen fusselfrei, strapazierfähig und schmutzabweisend. Studien belegen, dass Leinen auch bei Neurodermitis helfen kann. Bei so vielen positiven Eigenschaften ist es kein Wunder, dass Leinenstoffe heute wieder mehr denn je im Trend liegen.

Wo wird Leinen angebaut?

Flachs, das Rohmaterial von Leinenstoffen, ist eine anspruchslose Pflanze, die milde Temperaturen und viel Wasser bevorzugt. Die traditionellen Anbaugebiete von Flachs liegen daher im maritimen Bereich: An den Atlantikküsten Westeuropas zum Beispiel. Doch auch in Mittel- und Osteuropa wurde Flachs angebaut, zum Beispiel in Polen, Rumänien und Weißrussland. Heute liegen die Hauptanbaugebiete von Flachs in China, gefolgt von Frankreich und Belgien sowie Russland, Weißrussland und die Ukraine.

Flachs in seinem natürlichen Zustand mit ersten Blüten

Wie wird Leinen hergestellt?

Leinen besteht aus den langen Fasern der Flachspflanze, die für die Produktion von Leinen bei der Ernte im Ganzen aus der Erde gerissen wird. Diesen Prozess nennt man Raufen. Anschließend wird der Flachs für einige Tage in Wasser gelegt oder auf taunassen Feldern ausgelegt, um den Pflanzenleim aus der Faser zu lösen. Nach dem Trocknen des Flachses wird das Flachsstroh durch Schwingen geschmeidig gemacht, die harten, holzigen Fasern werden entfernt und durch Auskämmen (sog. Hecheln) schließlich zu spinnbarem Flachs verarbeitet. Nun kann der Flachs gesponnen und schließlich gewebt werden.

Was ist der Unterschied zwischen Halbleinen und Reinleinen?

Beim Leinen wird zwischen Reinleinen und Halbleinen unterschieden. Während Halbleinen aus einer Mischung von Leinen und Baumwolle besteht (der Leinenanteil muss hierbei mindestens 40% betragen!), wird Reinleinen zu 100% aus der Flachsfaser gefertigt.

Warum ist Leinen teurer als Baumwolle?

Zwar benötigt Leinen in der Herstellung weniger Wasser als Baumwolle und hat auch eine bessere Ökobilanz, allerdings ist die Herstellung von Leinenstoffen deutlich aufwändiger als die von Baumwolle. Um die Leinenfaser des gemeinen Flachses aus ihrer Schale zu gewinnen, werden mehrere Arbeitsschritten benötigt. Im Vergleich zur Baumwolle ist es daher heute etwa doppelt so teuer bis der sogenannte Röstflachs (aus dem letztlich der Stoff gewebt wird) aus dem Halm herausgelöst ist.

Flachsernte in der Normandie

Für was wird Leinen verwendet?

Traditionell verwendet man Leinenstoffe für die Herstellung von Leinwänden, Segeltuch und anderen Gegenständen, die strapazierfähige Stoffe benötigen. Aufgrund der vielen positiven Eigenschaften, werden Leinenstoffe aber auch seit jeher für Kleidung und Heimtextilien (Vorhänge, Tischwäsche und sogar Bettwäsche) verwendet. Aus dem groben Abfallflachs, der nach dem Kämmen des Röstflachs übrig bleibt, entsteht Sackleinen für Jutesäcke, Kordeln oder als Grundbasis für edle Teppiche. Je älter der Leinenstoff ist, umso glatter, geschmeidiger und edler wirkt er, daher sind gerade Leinenkleider echte Investitionen in die Zukunft.

Warum kühlt Leinen?

Zu den vielen positiven Eigenschaften von Leinenstoff gehört, dass er im Sommer kühlend auf der Haut wirkt. Der Grund dafür liegt in der besonderen Beschaffenheit der Flachsfaser: In den langen Einzelfasern wird nur wenig Luft eingeschlossen, daher ist Leinen besonders atmungsaktiv und leitet Feuchtigkeit gut ab.

Wie soll man Leinen waschen?

Leinenstoffe sind empfindlich und sollten darum am besten in einen Wäschesack gegeben werden. Wichtig ist, die Leinenstoffe nicht zu sehr zu schleudern – der Schleudergang sollte nicht mehr als 600 bis 800 Umdrehungen pro Minute betragen, da das Leinen die Restfeuchtigkeit benötigt, um gleichmäßig zu trocknen. Der Stoff sollte mit einem flüssigen Waschmittel ohne Bleichzusätze und vor allem ohne Weichspüler gewaschen werden. Farbiges Leinen sollte man nicht heißer als 40°C waschen, ungefärbtes Leinen verträgt hingegen durchaus Temperaturen von 60° oder sogar 95°. In den Trockner darf man Leinen keinesfalls geben – die trockene Hitze würde die Fasern zerstören. Leinen hängt man am besten noch nass zum Trocken auf.

Extrem nachhaltig: Aus Abfallflachs werden z.B. Jutetaschen hergestellt.

Geht Leinen beim Waschen ein?

Ungewaschenes Leinen geht vor allem beim ersten Waschen um einige Zentimeter ein. Fertige Leinenkleidung aus dem Geschäft ist im Normalfall aber bereits vom Hersteller vorgewaschen, sodass sie nur sehr minimal bis gar nicht eingehen sollte.

Wie bleibt Leinen knitterfrei?

Zu den charmanten Eigenschaften des Naturstoffes Leinen gehört dieser edle Used-Look und damit eben auch einige Knitterfalten. Heute wird sogar so genanntes Knitterleinen hergestellt, das bereits als Stoff die natürlichen Knitterfalten, die beim Tragen von Leinen entstehen, nachahmt. Natürlich kann man Leinen jedoch auch bügeln und damit die gröbsten Falten entfernen.

Wie bügle ich Leinen?

Am besten bügelt man Leinen, solange es noch feucht ist. Reines Leinen kann im feuchten Zustand auch auf höchster Stufe gebügelt werden, Halbleinen mit Baumwollanteil sollte feucht auf mittlerer Temperatur gebügelt werden. In feuchtem Zustand bekommt man normalerweise alle Knitterfalten problemlos aus dem Leinen heraus. Trockenes Leinen zu entknittern funktioniert am besten mit reichlich Dampf aus dem Dampfbügeleisen.

Was tun, wenn Leinen kratzt?

Leinenstoffe sind, wie fast alle Naturstoffe, vor allem anfangs leicht rau. Im Mittelalter wurde die Leinenunterwäsche feiner Damen daher zunächst von deren Mägden und Zofen „eingetragen“ bis sie weich war. Häufiges Tragen und Waschen macht Leinen tatsächlich mit der Zeit weicher und lässt den Stoff auch glänzender erscheinen. Allerdings können bestimmte Waschmittel die Fasern zerstören, wodurch sie wiederum kratzig und rau werden. Auf Weichspüler und Trockner sollte darum verzichtet werden.

Leinen – gar nicht so schwer zu pflegen, wie du denkst!

Wie mache ich hartes Leinen wieder weich?

Gerade neue Leinenstoffe sind am Anfang hart und relativ unflexibel. Mehrmalige Waschgänge und Trocknen an der frischen Luft löst dieses Problem. Auch mehrmaliges Bügeln – am besten von innen und außen – der nassen (nicht nur feucht!) Leinenstoffe macht die Fasern weich.

Wie entferne ich Flecken aus Leinen?

Leinen ist viel weniger schmutzanfällig als Baumwolle und wirkt sogar schmutzabweisend. Trotzdem kann es natürlich passieren, dass ein Fleck entsteht. Ist der Fleck neu und noch feucht, stehen die Chancen gut, dass man ihn ohne Rückstände und mit natürlichen Hausmitteln herausbekommt. Eingetrocknete Flecke sind jedoch viel schwieriger zu entfernen. Am besten weicht man den Fleck in warmem Wasser ein und verwendet einen speziellen Fleckenentferner, der für Leinenstoffe geeignet ist. Im Zweifelsfall könnt ihr das Leinenteil auch einfach in die Reinigung geben.

Hilft Leinen bei Neurodermitis?

Zu den besten Eigenschaften von Leinen gehört, dass der Stoff antibakteriell wirkt. Gerade wegen ihrer glatten Struktur schließt die Leinenfaser nur wenig Luft ein und wirkt damit besonders atmungsaktiv. Damit ist diese Naturfaser vor allem für Allergiker geeignet. Auch Neurodermitispatienten profitieren von Leinenbettwäsche oder -kleidung, da die Faser sich kühlend auf die geschundene Haut legt.

Die Vor- & Nachteile von Leinen auf einen Blick:

+ Langlebig und strapazierfähig
+ Atmungsaktiv und antibakteriell
+ Gute Ökobilanz
+ Kühlt im Sommer, wärmt im Winter
+ Wird mit der Zeit immer schöner und weicher

– Knittert
– Läuft beim ersten Waschen ein
– Bleicht rasch aus
– Kann beim ersten Tragen auf der Haut kratzen

Überzeugt? Wir auf jeden Fall, deshalb wirst du in der kommenden Ana Alcazar Sommerkollektion 2020 eine Reihe an tollen Kleider aus Rein- und Halbleinen finden. Stay tuned!

Joana

von

Betreibt eine kreative Wortschmiede. Kosmopolitisch, interkulturell, bunt. In love with: Denim, Strick und Loafers in allen Formen und Farben. Außerdem: Color Blocking und punkige Stilbrüche. Geht gar nicht: Pailletten, Crop Tops, Samt.

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