Dez 10, 2013

Kleine Warenkunde: Wolle

Aktualisiert am 1. April 2020

Wolle ist und bleibt einfach eine der faszinierendsten Fasern, (biochemisch ist ihr Grundbaustein das Keratin – ein Protein).  Sie kann z.B.  bis zu einem Drittel ihres Fasergewichtes Feuchtigkeit aufnehmen, ohne sich feucht anzufühlen. Das Faserinnere nimmt Wasserdampf auf, von der Oberfläche aber perlt das Wasser ab. Dies liegt an der Schuppenstruktur des Haares, die wie Dachziegel übereinander liegen. Diese Schuppenstruktur ist jedoch auch verantwortlich für das Verfilzen, manchmal gewollt, genauso oft aber ärgerlich. Daher unbedingt liebevoll mit dem Stück umgehen, mechanische Beanspruchung vermeiden, und die Pflegeanleitung beachten.

Gewinnung von Schurwolle in Neuseeland

Die Wollfaser hat ein ausgezeichnetes Wärmerückhaltevermögen, was nichts anderes heißt, als dass sie die Körperwärme der Trägerin speichert und zurückgibt. Wolle knittert kaum, und Schmutz perlt sozusagen von ihr ab. Bei Pullovern reicht es oftmals, sie nur zu lüften, und schon sind sie wieder „tragfähig“, denn Wolle nimmt schlecht Gerüche an (etwa Schweiß), dank ihrer natürlichen „Selbstreinigungsfunktion“ gibt sie Gerüche ganz schnell wieder an die Luft ab.

Die Faser ist extrem elastisch, und liefert zudem eine ganz tolle Farbechtheit, und auch in Kombination mit anderen Fasern zeigt sie sich von ihrer besten Seite, was sie zum idealen (Faser-)Partner macht in Fasermischungen. Die Pillings (kleine Knötchen) lassen sich leicht mit dem Fuselrasierer entfernen, da gibt es heute wirklich ganz ausgezeichnete Produkte.

Die wichtigsten Wollsorten

Alpaka: die wärmendste Wolle überhaupt, winzig kleine Lufttaschen machen die Faser fünfmal wärmender als andere Wollarten. Außerdem ist die Wolle für Allergiker gut geeignet, da sie kein Lanolin enthalten, was oft allergieauslösend sein kann.

Angora: die flauschig weiche Faser verdanken wir dem Angora-Kaninchen. Diese Faser hat leider das höchste Allergie-Potential.

Kaschmir: diese hochwertige Faser stammt aus dem Unterhaar der Kaschmirziege, ihre aufwändige Gewinnung macht sie sehr teuer. Daher wird die Faser gerne gemischt. In Deutschland muss ein mit Kaschmir ausgezeichnete Ware 85% Kaschmir haben. Nur allerhöchste Qualität und Reinheit darf mit „100% Kaschmir“ etikettiert sein.

Merino: stammt vom Merino Schaf, das ursprünglich aus Spanien stammt. Diese Wolle ist sehr fein und leicht.

Mohair: liefert uns die Angora-Ziege, und damit eine sehr zarte, seidige und glänzende Faser

Schurwolle: der Klassiker. Die Bezeichnung drückt aus, dass es sich um neue, direkt aus der Schur stammende Wolle handelt.

Vikunja: die Königin der Wollfaser. Lieferant der Faser ist das Vikunja-Kamel, das in extremer Höhe (auf 3000 – 5500 Metern) lebt. Ihr Wollhaar zählt zu den feinstern Fasern der Welt. Pro Tier können nur etwa 100 g Haar gewonnen werden, und sie werden nur alles zwei Jahre geschoren. Dies macht die Faser extrem teuer. Außerdem stehen die Tiere mittlerweile unter Artenschutz, da sie wegen ihres kostbaren Fells seit dem 16. Jahrhundert gejagt wurden und nun vor der Ausrottung bedroht sind.

Das Vikunja-Kamel lebt in den Hochanden in 5000 Metern Höhe.

Pflege: ich kann es nicht genug betonen, KALT waschen, selbst 30° kann die Wolle schon sehr übel nehmen, und es kommt zu oben erwähnter Verfilzung. Natürlich den Wollwaschgang einstellen und NICHT SCHLEUDERN. Wie gesagt, jede mechanische Beanspruchung ist nichts für die Dachziegelstruktur. Und in ein gutes Wollwaschmittel investieren. Ansonsten – so selten wie möglich waschen, die Selbstreinigungsfunktion macht’s möglich!

Übrigens: Noch mehr Infos zur Eigenschaft von Wolle und deren Pflege, findet ihr in unserem großen 1×1 der Wollstoffe!

Viv

von

Redakteurin & kreatives Modemädchen, seit 2011 im Ana Alcazar Team. Geht gut: Grunge, Jumpsuits, Oversize Strick, Spitze, Monochrom; Geht nicht: High Heels, Bouclé, Pailletten.

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