Mrz 30, 2020

Das 1×1 der Wolle

An dieser Stelle ein kurzer Vorgeschmack auf die kommende Herbstsaison: Es wird wollig. Denn unsere Designerinnen Be & Ju Ilzhöfer haben für den Herbst 2020 eine einzigartige Strickkollektion aus Wolle, Mohair und Kaschmir entwickelt – ökologisch, sozial fair und transparent produziert in Italien. Das sind doch grandiose Aussichten, findet ihr nicht? Damit ihr eure neuen Strick-Pieces auch richtig pflegen könnt, erkläre ich euch heute alles, was es rund um das Thema Wolle zu wissen gibt.

Merinowolle im Rohzustand

Inhaltsverzeichnis

Wolle – Ein Definition.

Wolle ist, neben Leder und Fell, eines der ältesten Kleidungsmaterialien der Welt und weist einzigartige Eigenschaften auf. Wolle besteht aus den weichen Haaren (also nicht den Deckhaaren) bestimmter Tierarten. Am häufigsten findet man Schafwolle, aber auch Kamelwolle oder Wolle aus den Haaren von Ziegen, Lamas oder sogar Kaninchen ist gebräuchlich. Als nachwachsender tierischer Rohstoff hat Wolle also eine immense wirtschaftliche Bedeutung. Als Garn weist sie aber Eigenschaften auf, die sonst kein anderes Textil bietet. Insbesondere Schafwolle ist ein wahres Wunderwerk der Natur.

Wie alle tierischen Haare besteht auch die Wolle von Schafen aus Proteinen, genauer gesagt ein Gerüst aus über zwanzig verschiedenen Proteinen. Diese einzigartige Gerüststruktur macht die Wollfasern zu einem perfekt isolierenden Material. Die Wärmeleitfähigkeit ist zugleich auch eine der wertvollsten Eigenschaft der Wolle: Sie wärmt wie kaum ein anderes Naturmaterial, kann jedoch auch kühlend wirken. Dabei kommt es natürlich auch auf die Art der Wolle an: Je kälter und rauer das Klima in dem ein Tier lebt, umso isolierender ist die Wolle, die es produziert. Daher ist die Wolle von Yaks beispielsweise sehr viel wärmender als die von normalen Schafen. Und was kann Wolle sonst noch so?

Die wichtigsten Eigenschaften von Wolle auf einen Blick

• Wolle ist ein nachwachsender Rohstoff, wiederverwertbar und zu 100% biologisch abbaubar und darum besonders nachhaltig.

• Jede Wollsorte verfügt über temperaturregulierende Eigenschaften, speichert die Wärme lange und isoliert gegen Kälte.

• Wolle ist übrigens auch wasserabweisend und daher besonders bei feuchtkalten Temperaturen ideal. Sie leitet Feuchtigkeit außerdem schnell ab und fühlt sich daher nicht feucht an.

• Wolle ist antistatisch und schmutzabweisend. Außerdem ist sie leicht zu reinigen.

• Wolle ist elastisch und knitterfrei.

• Wolle lässt sich gut färben und behält die angenommene Farbe lang.

Eine Kaschmirziege wird ausgekämmt

Verschiedene Wollarten im Überblick

Wolle ist nicht gleich Wolle. Das Haar verschiedenster Tiere fungiert als Lieferant für unterschiedlichste Wollarten. Dabei gibt es das feine Naturgarn von klassischen Nutztieren wie Schafen recht günstig, während von extrem edlen Wollarten pro Jahr nur wenige Kilogramm pro Tier erzielt werden. Kleidungsstücke aus diesen sind natürlich dementsprechend teuer. Einen kleine Übersicht über die gängigsten Arten von Wolle gibts hier:

Was ist Lammwolle?

Lammwolle stammt von Schafen, die nicht älter als ein Jahr sind und zum ersten Mal geschoren werden. Diese besonders weiche und geschmeidige Wolle ist selten und entsprechend begehrt. Zwar ist Lammwolle nicht so robust wie normale Schurwolle, dafür aber weicher und feiner.

Was ist Merinowolle?

Merinowolle besteht aus den Haaren des Merinoschafs, das ursprünglich in Nordafrika beheimatet ist, heute aber vorwiegend in Australien gezüchtet wird. Auch Deutschland hat Bestände von Merinoschafen, die jedoch selten und teilweise sogar vom Aussterben bedroht sind. Merinowolle weist mehrfach gekräuselte Fasern auf und ist daher besonders weich und wärmend. Weil Merinowolle so weich ist und nicht fusselt, wird sie besonders gerne für Babykleidung und -Decken verwendet, auch als Feinstrick für Oberbekleidung ist Merinowolle ideal.

Was ist Kaschmirwolle?

Kaschmir ist eine der edelsten und teuersten Wollsorten. Die Wolle wird aus dem weichen und feinen Unterhaar der Kaschmirziege gewonnen, die aus der gleichnamigen Himalaya-Region stammt. Die Ziegen verfügen über ein besonders dichtes und weiches Fell, das nicht durch Scheren, sondern durch Kämmen per Hand gewonnen wird. Jede Ziege liefert jährlich nur etwa 100 Gramm Wolle, daher ist reine Kaschmirwolle auch extrem teuer. Aufgrund ihrer Empfindlichkeit und Hochpreisigkeit wird Kaschmirwolle daher meist mit anderen Wollsorten gemischt.

Was ist Mohairwolle?

Mohairwolle wird aus dem Unterhaar der Angoraziege gewonnen. Dieses Tier stammt ursprünglich aus dem Nahen und Mittleren Osten, wird heute jedoch weltweit gezüchtet. Mohairziegen liefern bis zu 4 Kilogramm Wolle pro Jahr, damit ist Mohair deutlich preiswerter als beispielsweise Kaschmir. Die Wolle zeichnet sich durch ihre besondere Strapazierfähigkeit und Wärmeleitfähigkeit aus. Außerdem verfilzt sie kaum und lässt sich zu hochwertigen und glatten Garnen verspinnen.

Was ist Angorawolle?

Angorawolle stammt meist von Kaninchen, genauer gesagt von langhaarigen Angorakaninchen, die in Asien gezüchtet werden. Pro Tier fallen etwa 200 bis 250 Gramm Wolle pro Jahr ab, eine geringe Ausbeute also, die dafür sorgt, dass der Preis für Angorawolle sehr hoch ist. Aus Angora fertigt man feine und wärmende Strickgarne, die zum Beispiel für Winterbekleidung verwendet werden. Auch soll Angora eine heilende Wirkung auf Muskeln und Gelenke haben und bei Rheuma hilfreich sein.

Was ist Alpakawolle?

Alpakas sind eine höckerlose Kamelart, die in den südamerikanischen Anden beheimatet ist. Fast alle Alpakas leben in Peru, dort werden sie einmal pro Jahr geschoren. Ihr Fell weist ganz besondere Eigenschaften auf, die die Wolle von Alpakas so begehrenswert machen: Ihr Fell ist ganz besonders fein und kann Wärme viel besser speichern, als andere Wollarten. Weil Alpakawolle, im Gegensatz zu Schafwolle kein Lanolin enthält, ist sie auch für Allergiker geeignet. Alpakawolle kommt u.a. bei Socken und Schals aber vor allem als Füllmaterial von Bettdecken zum Einsatz.

Was ist Yakwolle?

Yaks sind Rinder, die im tibetischen Hochland beheimatet sind. Diese Hochlandrinder müssen mit Temperaturen von bis zu -40 Grad Celsius auskommen, daher ist ihr Unterfell ganz besonders dicht und wärmend. Im Gegensatz zu anderen Rinderarten verfügen Yaks nämlich über mehrere Fellschichten, zum Einsatz in der Textilindustrie kommen vor allem die Unterfellhaare. Yakwolle ist von der Struktur her relativ rau und kratzig, wird jedoch, genau wie Ziegenwolle durch Kämmen gewonnen. Aus Yakwolle fertigt man seit jeher Teppiche, Wandbehänge, Wolldecken oder Ponchos.

Was ist Schurwolle?

Schurwolle ist Wolle von lebenden Tieren, egal ob es sich um Schafe, Ziegen oder Lamas handelt. Es gibt auch Wolle, die aus dem Fell von toten Tieren, oder aus Alttextilien hergestellt wird, die sogenannte Reißwolle. Die Kennzeichnung WV am Wollsiegel bezeichnet Schurwolle, die Abkürzung WO hingegen steht für Reißwolle. Und: Schurwolle darf nur bis 0,3 Prozent Fremdfasern enthalten.

Ziegen, Schafe und Alpakas sind längst nicht die einzigen Tiere, aus deren Fell man feine Wollarten fertigen kann. Neben den klassischen Wollarten gibt es noch edlen Zwirn aus dem Fell von Vikunjas und Guanakos, die ebenfalls zur Familie der Kamele zählen, dem Lama jedoch äußerlich sehr ähneln. Auch das warme Fell des Moschusochsen ist in der Wollherstellung begehrt.

 

Schafwolle gefärbt im Rohzustand

FAQ der Wollpflege

Wie kann man Wolle pflegen?

Eins vorweg: Wolle muss bei Weitem nicht so häufig gewaschen werden, wie andere Textilien, da sie aufgrund ihrer besonderen Struktur über selbstreinigende Eigenschaften verfügt.  Will heißen: Meistens genügt es auch schon, Kleider, Decken oder Schals aus Wolle an die frische Luft zu hängen. Schmutz gelangt durch die Außenschicht der Wollfasern gar nicht erst ins Gewebe, deswegen kann man auch eingetrockneten Schmutz oft einfach nur vorsichtig ausbürsten. Vorsicht ist allerdings bei feinen Wollarten wie Merino oder Kaschmir geboten. Flecken lassen sich oft auch unter fließendem kalten Wasser auswaschen. Zur Fleckenbehandlung eignen sich zum Beispiel Olivenölseife, Kern- oder Gallseife. Ab und an schadet es jedoch nicht, die Wollsachen in der Maschine zu waschen, hier sollte man allerdings auf jeden Fall das geeignete Wollprogramm wählen und unbedingt ein spezielles Wollwaschmittel verwenden. Woll- und Feinwaschmittel sind genau auf die besonderen Eigenschaften der Wollfasern abgestimmt und verhindern, dass die Wolle verfilzt.

Handwäsche oder Maschinenwäsche?

Hier scheiden sich die Geister. Klar ist, dass Wollfasern empfindlich auf Reibung reagieren, bei der Handwäsche sollte man also nur sehr zurückhaltend reiben und auswringen, da sonst die Fasern verfilzen können. Da kann es durchaus sinnvoller sein, den Wollpullover im Schonwaschgang in der Maschine zu waschen.

Wie Wolle trocknen?

Da Wolle sehr elastisch ist, kann sie, vor allem im nassen Zustand, sehr schnell ausleiern. Deswegen sollte man nasse Wollsachen niemals zum Trocknen auf die Leine hängen, sondern besser auf dem Wäscheständer ausbreiten und liegend trocknen. Starke Sonneneinstrahlung und Heizungshitze schaden den Wollfasern übrigens ähnlich stark wie Reibung – daher sollte man Wolle auch nicht auf der Heizung oder in der Sonne trocknen lassen.

Wie verhindere ich Pilling?

Wolle hat zwar eine Menge fabelhafter Eigenschaften, jedoch auch eine ganz besonders nervige: Sie pillt. Das heißt, die Wollfasern neigen dazu, kleine Knötchen zu bilden, die sich dann auf der Oberfläche der Kleidung als unschöne Fusseln bemerkbar machen. Vor allem kurzhaarige Wollsorten wie Kaschmir sind besonders Pilling anfällig. Um Pilling zu vermeiden, empfiehlt es sich, das Kleidungsstück regelmäßig mit einer Fusselbürste von losen Fädchen und Fusseln zu befreien, sodass sie sich gar nicht erst verknoten können. Ist Pilling erst einmal aufgetreten, hilft zum Beispiel ein Fusselrasierer, der die kleinen Knötchen schonend entfernt.

Wie lagert man Wolle im Sommer?

Wolle zählt, genau wie alle anderen Naturmaterialien, zu den Lieblingsspeisen von Kleidermotten. Gerade für die Lagerung von Wolle sollte man also unbedingt darauf achten, dass die Schränke sauber und die Kleidungsstücke frisch gewaschen sind. Ein Lavendelsäckchen hilft übrigens nachweislich gut gegen Kleidermotten. Außerdem sollten Wollsachen immer nur liegend aufbewahrt werden, damit sie nicht ausleiern.

Soll ich Wolle fetten?

Schafe sind wasserdicht! Aufgrund des hohen Wollfettanteils in ihrem Fell perlt das Regenwasser an ihnen ab, sodass sie selbst bei Starkregen nicht auskühlen. Echte Schurwolle hat ebenfalls diesen wasserabweisenden Effekt, da das Lanolin (Wollfett) wie ein natürliches Imprägniermittel wirkt. Bei häufigem Waschen verlieren Wollfasern jedoch ihr Lanolin. Gerade Outdoor-Kleidung (zum Beispiel der klassische Islandpullover) sollte daher immer mal wieder nachgefettet werden. Dazu rührt man eine Emulsion aus Lanolin (gibt’s in der Apotheke), Wasser und einigen Tropfen Flüssigseife an. Die Lösung sollte eine Temperatur von circa 38° haben, also etwas wärmer als körperwarm sein. Das Wollkleidungsstück, das gefettet werden soll, muss vor dem Eintauchen dieselbe Temperatur haben, sollte also vorher in ebenfalls 38° warmem Wasser eingeweicht werden. Gibt man nun das warme, feuchte Kleidungsstück in die warme Lanolin-Lösung, so dringt das Wollfett tief in die Fasern ein und imprägniert sie auf natürliche Weise. So bleiben Kleidungsstücke aus Wolle lange haltbar und schützen zuverlässig vor Kälte und Nässe.

Joana

von

Betreibt eine kreative Wortschmiede. Kosmopolitisch, interkulturell, bunt. In love with: Denim, Strick und Loafers in allen Formen und Farben. Außerdem: Color Blocking und punkige Stilbrüche. Geht gar nicht: Pailletten, Crop Tops, Samt.

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