Jan 3, 2018

Das perfekte Geschenk an uns selbst: (Aus-)Zeit.

Der Jahreswechsel ist die Zeit der guten Vorsätze. Ganz oben auf der Liste steht bei vielem der Wunsch nach weniger Stress und einem flexibleren und stimmigeren Leben. Daraus wird immer öfter eine mehrmonatige Auszeit vom Job: das Sabbatical.

Taking a break from it all – einfach mal auf Zeit aussteigen und Muße finden, um sich einen langgehegten Wunsch zu erfüllen: eine Weltreise, eine Weiterbildung, Sprachen lernen, wieder zu sich kommen, runter von der Überholspur oder ein privates oder soziales Projekt verwirklichen. So oder ähnlich formulieren es einige meiner Freunde, die sich gerade für ein Sabbatical entschieden haben.

Dabei nehmen sie drei Monate frei, verzichten auf etwas Geld und gewinnen Lebenszeit. Was sich im meinem Umfeld zeigt, bestätigt auch eine Forsa-Umfrage: ca. 70 Prozent der Führungskräfte wünschen sich demnach eine Auszeit, unter den Arbeitnehmern ohne Teamverantwortung sind es immerhin 38 Prozent. Mittlerweile sind viele Unternehmen dieser Idee gegenüber offen. Denn die Erfahrung hat gezeigt, dass diese Phase der Entschleunigung im Ergebnis allen etwas bringt.

Das Sabbatical hat eine lange Tradition

Sabbaticals sind heute in Deutschland zwischen 3 – 12 Monate lang möglich. Schon im Alten Testament wusste man, dass sich nach sechs Jahren ein Ackerboden regenerieren muss – und die Bauern hielten sich daran. Wer also Früchte tragen soll oder konkreter „Ergebnisse bringen“, braucht Pausen. Das gilt auch und besonders für geistige Tätigkeiten. So genießen an amerikanischen Unis alle Professoren das Privileg, nach sechs Jahren aktiver Lehre zwölf Monate vom Alltagsbetrieb freigestellt zu sein. In diesen Semestern können sie sich mit Muße ihren Forschungsprojekten widmen und Raum für neue, frische Ideen gewinnen. Dieses sog. Sabbatical Leave ist die wertschätzende Anerkennung der wissenschaftlichen Tätigkeit und ist bereits seit dem 19. Jahrhundert in den USA etabliert.

Hierzulande wagte man den Ausstieg auf Zeit erst in den 90er Jahren und zwar interessanterweise im Öffentlichen Dienst. Die freien Monate errechneten sich durch Überstunden, Verzicht auf Lohnzusatzleistungen oder Gehaltsumverteilungen. Viele Firmen zahlen heute einfach das halbe Gehalt – beispielsweise drei Monate vor der geplanten Auszeit und während des Sabbaticals selbst, so dass niemand auf dem Trockenen sitzen muss. Darüber hinaus existieren weitere, interessante Rechenmodelle, die netto weniger ins Kontor schlagen als man erst einmal annimmt.

Sabbatical als Sonderfall – warum eigentlich?

Trotz der Möglichkeit und auch der realen Machbarkeit gehen nur etwa vier Prozent aller Arbeitnehmer tatsächlich den Schritt. Einerseits sicher, weil ein Sabbatical mit einem gewissen Organisations-Aufwand für alle Beteiligten verbunden ist: Der „Aussteiger auf Zeit“ muss den finanziellen Rahmen längerfristig planen. Der Arbeitgeber muss Themen priorisieren und Aufgaben umverteilen oder befristet jemanden einstellen.

Angst vor dem Karriereknick

Zudem machen sich viele Sorgen, nach dem Sabbatical die Position an einen ambitionierten Kollegen verloren zu haben oder bei Beförderungen nicht mehr berücksichtigt zu werden. Dabei ist es oft genau andersherum: Im Gegensatz zu einem Urlaub, der einfach zu kurz ist, um wirklich abzuschalten, schafft die dreimonatige Auszeit Abstand. Und das ist ein Vorteil. Denn wer mit Distanz auf seinen Job und die Dinge blicken kann, erkennt oft schneller den „Fehler“ im System. Ausgeruhte Menschen, die bei sich sind, treffen nachweislich klarere und konsequentere Entscheidungen. Es ist also kein Wunder, dass manche nach der Auszeit erst so richtig durchstarten. Und den nächsten Karriereschritt mit Power und Überzeugung gehen. Bei den meisten dauert wohl auch der befürchtete Sabbatical-Kater beim Wiedereintritt nicht lange an.

In Neuseeland den persönlichen Traum gefunden …

Natürlich kann am Ende eines Sabbaticals auch eine Neuorientierung stehen. Wer – frei von Verpflichtungen und äußeren Zwängen – anfängt, das zu tun, was er wirklich liebt, entdeckt sehr wahrscheinlich neue Seiten an sich selbst. Wenn der tägliche Zeitdruck wegfällt, entstehen Räume, einfach mal etwas auszuprobieren. Etwas, das man schon immer wollte. Vielleicht stößt man so auf ein lang schlummerndes Talent oder eine persönliche Leidenschaft – einen Beruf, der schon längst Berufung ist. Ein inspirierendes Beispiel ist für mich die Story einer erfolgreichen Unternehmensberaterin, die im Sabbatical ihre Leidenschaft zum Kochen entdeckt und ausgebildet hat. Heute ist sie eine gefragte Eventköchin mit eigenem Unternehmen.

Wenn man gerade keine Hängematten-Selfies macht, trifft man auf jeder Reise automatisch Menschen. Jede Begegnung in Singapur, Bali, Spanien, Uganda, Marokko, Neuseeland oder Sri Lanka kann etwas verändern. Genauso wie die Erdung, die eine Entschleunigung als Sennerin in der Natur oder als handwerkelnde Goldschmiedin mit sich bringt. Und so kann ein Trip zur sprichwörtlichen Reise zu sich selbst werden. Wer die Kontrolle aufgibt und den „Flow“ zulässt, findet manchmal neue Wege. Ich finde es spannend …

Lasst euch auch inspirieren! Hier könnt ihr sehr unterschiedliche und persönliche Sabbatical-Stories nachlesen:

Habt ihr schon mal über ein Sabbatical nachgedacht oder tatsächlich eine Auszeit genommen? Einfach mal raus und den Blick weiten? Schreibt mir, ich bin gespannt.

von

Meine Liebe zu Mode und Kommunikation hat mich zu Ana Alcazar gebracht – als Texterin & Konzepterin in der klassischen Werbung groß geworden, schreibe ich seit fast 10 Jahren für unser Münchner Designerlabel. Im Redaktionsteam bin ich für alle Corporate-Themen zuständig, außerdem befasse ich mich hier mit aktuellen Trends & meinem Herzensthema Gleichberechtigung,

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