Apr 29, 2019

ESC-Fieber. Tel Aviv wir kommen!

Was war das letztes Jahr für eine Sensation: Netta Barzilai aus Israel hat mit ihrem außergewöhnlichen Song „Toy“ den ESC gewonnen, und zwar haushoch! Die Künstlerin, die ein wenig an Beth Ditto erinnert, vereint darin Elektro-Pop und K-Pop Elemente und bringt gleichzeitig eine feministische Botschaft rüber: „I’m not your toy (your stupid boy)“.

Und so schaffte Netta es, ihr durchaus zerrissenes und kompliziertes Land, zumindest für einen Augenblick zu vereinen: In ganz Israel strömten Tausende Menschen nach ihrem Sieg auf die Straßen, feierten und tanzten die ganze Nacht über durch, vor allem natürlich in Nettas Heimatstadt Tel Aviv. Damit ist die junge Künstlerin über Nacht zum Symbolbild Tel Avivs geworden und ist natürlich ein perfektes Aushängeschild für die Stadt. Denn: In Jerusalem betet man, in Haifa arbeitet man aber in Tel Aviv spielt man. So jedenfalls lautet ein Israelisches Sprichwort.

Ein Besuch in der „jüngsten“ Stadt Israels

Nun wird der ESC 2019 also hier stattfinden, in der Mittelmeerstadt Tel Aviv. Und das verspricht vor allem eines: Party bis zum Umfallen!
 Tatsache ist: Tel Aviv, die größte Stadt Israels, hat definitiv das Zeug zur absoluten Kult-Metropole. Multikulturell, weltoffen, hip und einfach super lässig ist die knapp 500.000 Einwohner fassende City am Mittelmeer. Spielen kann man hier also definitiv, und außerdem shoppen, surfen und staunen. Tel Aviv ist eine unheimlich junge Stadt, das merkt man nicht nur am Nachtleben (das im Übrigen wirklich legendär ist), sondern auch an der Architektur, an den vielen Kunstgalerien, Bars, Cafés und natürlich an den Stränden. Es ist zum Beispiel nichts Ungewöhnliches, an einem ganz normalen Dienstag Vormittag unzählige junge Menschen draußen am Strand zu sehen. Der Grund: in Israel legt man Wert auf eine ausgewogene Work-Life-Balance.
 All das macht Tel Aviv zu einem wahren Freiluftspielplatz, in dem so ziemlich jeder seine  ganz persönlich Nische findet.

Kulturell ist die junge Metropole weltoffen wie keine andere Stadt im Nahen Osten: Individualität wird groß geschrieben und Toleranz ist für die meisten Tel Aviver Teil ihres Lebensgefühls. Leben und leben lassen lautet hier die Devise. Kein Wunder also, dass Tel Aviv auch die Queer-Hauptstadt des Nahen Ostens genannt wird. Jedes Jahr im Juni findet hier die größte Gay Pride Parade der gesamten Region statt. Und natürlich liebt die LGBTQ -Szene auch den ESC: Die israelische ESC Gewinnerin Netta ist, ebenso wie ihre Kollegin Conchita aus Österreich, zur Ikone geworden. Wie wohl kein anderes Land hat Israel also den Eurovision Song Contest immer schon laut und überschwänglich gefeiert. Wenn das Musikevent diesen Mai zuhause stattfindet, werden die Bewohner Tel Avivs ihre Stadt mit Sicherheit zu einer einzigen großen Freiluftparty machen. Hier dabei zu sein, dürfte ein unvergessliches Erlebnis werden.


Sightseeing in und um Tel Aviv

Die Metropolregion Tel Aviv ist unter anderem bekannt für ihre kulturelle Vielfalt, das einzigartige Lebensgefühl und natürlich auch für ihre spannende Architektur.

Die sogenannte Weiße Stadt, ein Stadtviertel, das in den 1930ern ganz im Bauhaus-Stil erbaut wurde, hat sogar den Status des UNESCO Weltkulturerbes. Das Bauhaus-Center Tel Aviv bietet übrigens auch spannende Führungen durch die Weiße Stadt oder auch interaktive Audio-Touren mit einer Karte von bedeutenden Bauhaus-Bauten. 
Besonders sehenswert in architektonischer Hinsicht ist außerdem der Rothschild Boulevard, eine palmengesäumte Allee, die sich vom Habima Square bis hinunter nach Neve Zedek zieht. Hier reiht sich eine prächtige Villa an die andere – Überbleibsel aus den Anfangsjahren der Stadt, die 1909 gegründet wurde.

Und dazwischen: Zahlreiche durchgestylte Cafés und hippe Bars in denen man in Tel Aviv den Arbeitstag ausklingen lässt und das Nachtleben einläutet.
Ein absolutes Must-See ist auch der Gordon Beach, von wo aus man die wirklich aberwitzige Architektur Tel Avivs bestaunen kann. Knallbunt, schwindelerregend hoch, verwinkelt und verschachtelt – die Gebäude, die den Gordon Beach säumen, sind echte Eyecatcher und inzwischen das inoffizielle Wahrzeichen Tel Avivs. Ob hypermoderne Wolkenkratzer oder experimentelle Phantasiearchitektur, ob Bauhaus oder Brutalismus – Tel Aviv ist in architektonischer Hinsicht ein richtiges Chamäleon.

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Shabbat on Gordon Beach, aka paradise… ?

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Auch kulturell gibt es in der Mittelmeermetropole so einiges zu sehen und zu erleben: Das Museum of Art am Habima Square zeigt umfassende Sammlungen israelischer und internationaler Kunst. Design-Fans dürfte ein Besuch im Design-Museum Holon interessieren: Alleine die Anlage ist spektakulär: Das Gelände wurde vom berühmten israelischen Architekten und Designer Ron Arad entworfen und ist eine wahre Augenweide.

Geld ausgeben ist hier auch nicht schwierig

Tel Aviv ist eine echte Streetstyle-Hochburg, doch Mode nimmt hier kaum jemand wirklich ernst. Anders als in Paris, Mailand oder New York, wird in Tel Aviv Mode eher als große und bunte Spielwiese wahrgenommen. Spannende Street Styles gibt es in den zahlreichen Boutiquen rund um die Bograshov Street und in der Sheinkin-Road. Die Sheinkin gilt als das Soho Tel Avivs – hier findet man vor allem Clubwear und Streetwear diverser bekannter Labels, aber auch Indie-Labels sind hier vertreten.

Der Dizengoff Square – das eigentliche Herz der Stadt, besteht hingegen vorwiegend aus Sichtbeton. Dafür findet hier jeden Samstag ein riesiger Flohmarkt statt, der absolut empfehlenswert ist. Hier findet man Antiquitäten jeder Art, aber auch hippe Klamotten, spannende Bücher und jede Menge Krimskrams.
Das Dizengoff Einkaufszentrum ganz in der Nähe bietet auf insgesamt 5 Etagen ebenfalls tolle Einkaufsmöglichkeiten. Stores großer Mainstream-Brands wie H&M, Zara und Mango sind hier vor allem vertreten.

In der wunderschönen uralten Hafenstadt Jaffa, im Süden von Tel Aviv, findet ihr übrigens auch unzählige winzige Shops und viele Kunstgalerien zum Stöbern, besonders rund um den Hafen. Souvenirs könnt ihr auch auf dem alten arabischen Markt in Jaffa kaufen – hier gibt es von Haushaltswaren bis hin zu Antiquitäten, Teppichen und Schmuck so ziemlich alles, was das Flohmarktherz begehrt.

 

Schonmal Streetfood a la Tel Aviv probiert?

Israelisches Streetfood ist legendär! Der Mix aus arabischen und europäischen Einflüssen macht die israelische Küche vielseitig und vor allem: gesund! Salate, Shakshuka, Falafel, Hummus und Couscous – die Liste an Lieblingsgerichten ist lang. Vor allem die Veganer-Dichte ist in Tel Aviv so hoch wie in kaum einer anderen Stadt: Beinahe an jeder Straßenecke findet man vegane Imbisse und in jedem Lokal werden mindestens so viele vegetarische und vegane Gerichte wie Fleischgerichte angeboten.

Wer Wert auf gehobene Küche legt, ist im legendären Restaurant des Sternekoches Ran Shmueli richtig: Im Claro kommen Obst, Gemüse, Fisch und Fleisch von lokalen Produzenten auf den Tisch, dazu werden edle Weine gereicht.

Streetfood gibt es dagegen günstig an jeder Ecke. Da Tel Aviv zu meiner absoluten Lieblingsstädten gehört, hier meine fünf Insidertipps Streetfood:

– Das beste Hummus der Stadt gibt es bei Abu Hassan in Jaffa. Sein Laden existiert schon seit den 1970ern. Unbedingt rein schauen!

– Das beste Falafel gibt es bei HaKosem ganz in der Nähe des Dizengoff Centers. Die Schlange vor dem Lokal ist traditionell lang, aber das Warten lohnt sich.

– Die beste Pizza um 3 Uhr morgens (inklusive Heavy Metal Sound aus der Backstube) bekommt ihr auf dem Rothschild Boulevard 140.

– Lecker Frühstück nach einer langen Nacht gibt`s im Bucke Café auf der Ahad Ha’Am Street

– Die Kaffee & Kuchen-Fraktion unter euch findet ausgezeichnete Backwaren in Nola’s Bakery in der Dizengoff Street

Buntes Tel Aviv – Ausgehen in der Partymetropole

Tel Aviv hat ein legendäres Nachtleben. In unzähligen Clubs, Bars, Theatern und Cafés macht man die Nacht zum Tag. 
Nach Sonnenuntergang verwandelt sich vor allem das hippe Tel Aviver Stadtviertel Florentin in eine einzige Feiermeile: Hier reiht sich Bar an Bar, Club an Club und selbst wenn alles voll ist, findet man draußen immer noch ein paar Klappstühle um seine eigene Privatparty zu feiern. Die Tel Aviver lieben nämlich nichts mehr, als eine ungezwungene Atmosphäre – spontane Freiluftparties unter Straßenlaternen sind hier also nichts Ungewöhnliches.

Die Altstadt von Jaffa hat nicht nur viele verwinkelte Gassen, sondern auch grandiose Bars zu bieten. Kulturveranstaltungen, Konzerte und Ausstellungen finden jede Woche zum Beispiel in der Anna Loulou Bar (1 Hapninim, Yefet 17) statt.

Die beliebtesten Clubs Tel Aviv sind jedoch nicht nur am Wochenende brechend voll – auch unter der Woche tobt hier die Menge. Das Solo, The Penguin, das Gagarin, der Leo Club und das Dungeon sind nur einige der Urgesteine der Tel Aviver Clubszene. Auch in der Nähe des HaShalom Bahnhofs reihen sich einige Clubs und Bars aneinander: Fans von Salsa gehen dann zum Beispiel in den Havanna Club in der Yigal Alon Street.

Natürlich finden rund um den ESC in der ganzen Stadt unzählige Parties statt, die wahrlich denkwürdig sein dürften. Wer Tel Aviv kennt, weiß jedoch – die beste Party ist immer die Party, die nicht geplant war.

Tel Aviv und der ESC

Dass der Eurovision Song Contest 2019 in Tel Aviv steigen wird, ist für ganz Israel eine riesige Sensation. Nach 1979 und 1999 findet der ESC zwar schon zum dritten Mal in Israel statt, jedoch das erste Mal in der Mittelmeerstadt Tel Aviv. Schätzungen zufolge wird die Stadt wohl von ESC Fans aus aller Welt überflutet und aus allen Nähten platzen. Mindestens 20.000 Besucher werden erwartet. Wer jetzt noch kein Hotelzimmer gefunden hat, kann mit viel Glück noch eine der zahlreichen Air B&B Unterkünfte ergattern – oder weicht auf einen der Campingplätze aus, die die Stadtverwaltung von Tel Aviv eingerichtet hat. Neben Duschen und Toiletten werden den Campinggästen dort auch Erholungs- und Partybereiche sowie Essens-und Getränkestände geboten. Der Campingplatz soll mindestens eine Woche vor ESC-Beginn geöffnet werden und noch bis Ende Juni in Betrieb sein, um auch den Teilnehmern der jährlichen LGBTQ-Parade zur Verfügung zu stehen.

 

Der ESC selbst findet im Internationalen Kongresszentrum Expo in Tel Aviv statt und dauert insgesamt vier Tage: Die Halbfinal-Shows sind für den 14. und den 16. Mai angesetzt. Das große Finale findet dann am 18. Mai statt.
Tickets für die Proben und die Halbfinal-Shows gibt es unter folgendem Link: https://www.leaan.co.il/eu1/?culture=en-GB

Die Tickets für das Finale waren binnen kürzester Zeit ausverkauft, aber die Veranstalter planen noch einige wenige Restkontingente. Wenn ihr also dabei sein wollt, müsst ihr schnell sein (und tief in die Tasche greifen). Bis zu 300 Euro kosten die Karten. Tickets für die Halbfinal-Shows sind jedoch günstiger.
Doch selbst wenn ihr es nicht schafft, einen Platz in der Halle zu ergattern – kein Stress! Traditionell kommt ganz Tel Aviv zum Public Viewing auf dem Rabin Square zusammen: Dort werden riesige Leinwände aufgebaut und es gibt Essens-und Getränkestände. Eine grandiose ESC Party ist in Tel Aviv also garantiert!

Übrigens: Flüge nach Tel Aviv gehen von allen großen deutschen Flughäfen. Aber achtet darauf, mindestens 3 Stunden vor Abflug am Flughafen zu sein (nicht wie üblich 2), da die Sicherheitsprüfungen bei Israel-Flügen deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmen.

Joana

von

Betreibt eine kreative Wortschmiede. Kosmopolitisch, interkulturell, bunt. In love with: Denim, Strick und Loafers in allen Formen und Farben. Außerdem: Color Blocking und punkige Stilbrüche. Geht gar nicht: Pailletten, Crop Tops, Samt.

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