Nov 5, 2013

Polyester – ein verkanntes Stöffchen

Sicherlich erinnert Ihr Euch noch an die geniale Evelyn Hamann, wie sie In Ödipussi (1987) von ihrer Schwester Polyester singt:

Jahrzehnte lang galt Polyester als verpönter Stoff, als billige und schlechtere Variante zur Seide. Was hatten wir nicht alles dagegen zu sagen: Der Griff war nicht angenehm, das Zeug klebte auf der Haut, es lud sich elektrisch auf, man schwitzte so unangenehm….und irgendwie wollte sich Frau einfach lieber mit dem Hauch von Luxus umgeben, wie ihn nun mal nur das Original, die Seide, garantieren konnte.

Diese Zeiten sind lange lange vorbei, versprochen!

Mag in der Frühproduktion der synthetischen PES-Faser noch das ein oder andere Vorurteil richtig gewesen sein, ist doch die künstliche Faser-Entwicklung heute im 21. Jahrhundert sehr weit voran geschritten, sodass man Polyester oft kaum noch von natürlichen Stoffen unterscheiden kann. Kein Wunder also, dass 75% aller Kleidungsstücke weltweit heute aus Polyester hergestellt werden.

Kunstfasern – Besser als ihr Ruf.

Kunstfasern sind lange nicht mehr, was sie einmal waren. Längst ist gut gemachtes Polyester in den Olymp der Edel-Stoffe aufgestiegen – lieber eine hochwertige synthetische Textilfaser als billige Seide, lautet bei vielen Einkäufern die Devise. Und tatsächlich: Sieht man sich auf den Stoffmessen weltweit um, überragen die Preise von hochwertigem Polyester schon seit Jahren die von Seide.

Ana Alcazar Kleid Zidy aus Polyester

Künstlich hergestellt wird die Faser seit den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts zuerst in England mit dem Ziel sich von japanischen Seidenlieferungen unabhängig zu machen. Blieb also Zeit genug, um den Stoff zu perfektionieren. Die chemische Faser wird industriell im sogenannten Schmelzspinnverfahren hergestellt. Die Schmelze aus Polymeren wird durch hauchfeine Spinndrüsen gedrückt, sodass ein dünner Faden entsteht, aus dem schließlich der Polyesterstoff gewebt wird.

Kunstfasern sind heute technisch so hoch entwickelt, dass sie atmungsaktiv sind und einen hohen Tragekomfort gewährleisten. Und auch das Argument der Umweltbelastung muss widerlegt werden, denn die Herstellung von Naturfasern ist oftmals belastender und Ressourcen schädigender als die der Kunstfasern, die zudem dank der nahezu unbegrenzten Lebensdauer dem Nachhaltigkeitsgedanken eher gerecht werden als dies Naturfasern tun. Auch streng ökologisch ausgerichtete Firmen haben das mittlerweile entdeckt und arbeiten bewusst mit Kunstfasern. So ist es z.B. möglich aus recycelten PET-Flaschen Polyesterstoff für die Textilindustrie herzustellen indem aus den sogenannten Bottle Flakes Stapelfasern gewonnen werden. So stehen die Rohstoffe dem Wirtschaftskreislauf weiterhin zur Verfügung.

Polyester Stapelfasern gewonnen aus alten PET-Flaschen

Spulen aus fertig eingefärbtem Polyestergarn zur Weiterverarbeitung

Endprodukt: T-Shirt aus Polyester

 

Die Produkteigenschaften der Polyester-Faser sind hervorragend:

  • – Sie ist äußerst formstabil, leicht & zeigt einen nur geringen Verschleiß auch bei häufigem Tragen
  • – Sie ist einfach zu waschen & zu pflegen
  • – Sie nimmt nur sehr wenig Feuchtigkeit auf
  • – Sie weich & hautfreundlich
  • – Sie hat eine ausgezeichnete Licht- und Wetterbeständigkeit
  • – Sie ist farbecht und wäscht nicht aus
Aber Achtung: Polyester ist nur bei geringer Temperatur trockner-geeignet. Die Kunstfaser verträgt hohe Wärme eher schlecht und tendiert dann zum Einlaufen. Nach dem Waschen sollte man daher die Kleidung eher draußen aufhängen. Grundsätzlich gilt -wie bei jedem anderen Kleidungsstück: Die Waschanleitung beachten!

Noch Fragen zu weiteren Textilarten? In unserem 1×1 der Wolle und unserem großen Leinenratgeber haben wir viele wissenswerte Informationen rund um die Naturfaser zusammengefasst.

Viv

von

Redakteurin & kreatives Modemädchen, seit 2011 im Ana Alcazar Team. Geht gut: Grunge, Jumpsuits, Oversize Strick, Spitze, Monochrom; Geht nicht: High Heels, Bouclé, Pailletten.

1 Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.