Okt 29, 2013

ana Team Portraits: Lisa Herbinger

Name:
Lisa Herbinger

Jobbezeichnung:
Schnittdirektrice

Lisa ist Schneidermeisterin und zusätzlich auch Diplom-Designerin mit einem Abschluss von der renommierten Meisterschule für Mode in München. Sie arbeitet schon seit fast 18 Jahren im Herzstück von ana alcazar als Schnittdirektrice. Es ist unglaublich viel zu beachten, bis ein perfektes Kleidungsstück in Produktion gehen kann. Ihr haben wir es zu verdanken, dass uns die Kleidungsstücke von ana so gut stehen.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Dir aus?

Auch ich starte meinen Arbeitstag erst mal mit einem guten Kaffee, während ich warte, bis der PC hochgefahren ist. Der erste Schritt ist dann meistens das Beantworten der Emails von den Zwischenmeistern; die Zwischenmeister sind die, die die Kleidung nach unseren Schnitten produzieren.

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Wie entsteht so ein Schnitt?

Die Designer kreieren die Designs, zu denen wir dann die Schnitte fertigen. Es gibt an die 1000 Grundschnitte für Blazer, Röcke, Kleider usw., die die Grundlage der Musterschnitte bilden. Diese werden leicht abgewandelt und daraus ergibt sich dann der Musterschnitt für ein neues Kleid.

Vor der endgültigen  Schnittmustererstellung findet eine Anprobe am Modell zusammen mit den Designern statt. Dabei gibt es eine Menge zu prüfen: Wir müssen z.B. den Rapport bestimmen. Rapport bedeutet, vereinfacht gesagt: Wie ist das Muster auf dem Kleid angeordnet? Also wird die Mustervergabe für die Vor- und Rückseite des Kleides besprochen. Dabei erstellen wir sogenannte Schnittzeichenlagenbilder, die dem Zwischenmeister genau vorgeben, wie der Schnitt in den Stoff gelegt wird.

Außerdem prüfen wir die Zutaten, Zutaten sind die Knöpfe, die Bänder oder das Futter. Schließlich wird der Stoffverbrauch für die Größen festgelegt.

Wenn was nicht so ist, wie wir es uns vorstellen, nähen wir auch selbst an den Stücken, und probieren so lange, bis wir zu 100% zufrieden sind. Die Schnittoptimierung und die Rapport-Optimierung sind ein ganz wichtiger Bestandteil meiner Arbeit. Außerdem gibt es eine Verbrauchsvorgabe: Wir haben z.B. 10000 m Stoff für die Produktion zur Verfügung, und pro Hose dürfen wir 1,20 m verbrauchen.

Wichtig ist auch die Gradierung. Die Gradierung ist das Vergrößern oder Verkleinern der Schnitte, damit in jeder Größe, von 34 – 44 die Proportionen perfekt rauskommen. Der Anspruch ist schließlich, dass das Kleid an einer Größe 34 genauso gut aussieht wie an einer Größe 44.

Wenn wir wirklich mit allem zufrieden sind, schicken wir den fertigen Schnitt an den Zwischenmeister. Von dem bekommen wir Vorläufer, sogenannte Pre-Production-Sample zurückgeschickt. Jetzt prüfen wir noch einmal alles ganz genau, die Passform, die Verarbeitung, den Stoffverbrauch, und erst wenn wirklich jedes Details stimmt und wir absolut zufrieden sind, gehen wir in Produktion.Lisa_interview_1

Was ist das Tolle an Deinem Beruf?

Das Tolle an dem Beruf ist definitiv die kreative Herausforderung. Das A und O bei dem Ganzen ist, die Schnitte auf die unterschiedlichen Muster abzustimmen und in die perfekte Passform zu bringen. Dabei brauche ich auch wirklich meine ganze Konzentration, und manchmal mache ich mir Ohrstöpsel in die Ohren, um alle „Störgeräusche“ auszublenden. Am besten funktioniert das mit Mac Miller 😉

Was nervt manchmal?

Ein Fall aus der Praxis: Eine Hose hat das Muster einer Python. Wenn hier die Symmetrie nicht eingehalten ist und das Schlangenmuster seitlich über das Hosenbein verläuft und nicht mittig, ist das sehr ärgerlich. Dann muss ich mir etwas einfallen lassen.

Und manchmal kann es auch ein bisschen hektisch werden, denn wie in jedem Job gibt es Zeitvorgaben, an die wir uns halten.

Es kann auch mal passieren, dass die Stoffverbräuche nicht korrekt sind, dann ist Improvisation gefragt. Jetzt überlege ich: Ich habe eine bestimmte Menge an Stoff zur Verfügung, brauche aber definitiv mehr. Wo bekomme ich den her, ohne den Schnitt zu verändern?

Was bedeutet für Dich „ein schöner Stoff“?

Ein schöner Stoff ist für mich ein Stoff, der alle meine Sinne zugleich anspricht, also ein Stoff, der sich gut anfühlt, der ein tolles Muster hat, und meine Kreativität gleich derart kitzelt, dass ich sofort loslegen möchte und was Tolles daraus machen möchte. Unser Polyester z.B. hat einen ganz tollen Griff, denn entgegen aller Vorurteile ist Polyester schon lange aufgestiegen in die Liga der Edel-Materialien, wenn es hochwertig produziert ist.

Wie wichtig ist Dir Mode privat?

Mode ist mir wichtig, sonst hätte ich sie ja nicht zu meinem Beruf gemacht. Aber ganz ehrlich, am Abend bin ich auch mal froh, nichts mit Mode zu tun zu haben.

Was ist Dein Lieblingskleidungsstück…?

…privat: Jeans, ganz klar. Jeans geht immer, und da fühle ich mich immer wohl, mehr als in Röcken oder Stoffhosen.

…schick für den Abend: Schick für den Abend heißt bei mir RICHTIG schick. Das darf dann auch mal tiefer ausgeschnitten sein, mit Spitze, am Rücken dekolletiert, ein kurzes figurbetontes Kleid von ana alcazar natürlich, hohe Hacken  – das klare Gegenprogramm zur lässigen Jeans also.

Dein letzter Fehlkauf?

[langes Überlegen]: ganz ehrlich, den gibt es bei mir nicht. Ich überlege mir 1000mal, ob ich mir ein Kleidungsstück kaufe oder nicht. Und wenn ich dann ein paar Mal das gleiche Geschäft besuche. Beim 10. Besuch habe ich mich endlich zum Kauf entschlossen, und dann gibt es das Teil nicht mehr. Ist mir auch schon passiert.

Deine Hobbies?

Ich höre wahnsinnig gerne Musik. HipHop, Ramstein, und auch Klassik. Ramstein ist zum Putzen super, das gibt mir soviel Energie, da sind am Schluss die Fenster auch noch geputzt, obwohl das gar nicht auf der Agenda stand.

Außerdem gehe ich gerne ins Kino, aber ich habe bei Filmen einen gewissen Anspruch. Lieber John Malkovich als Tom Cruise….

Und schließlich habe ich auch noch einen Garten, in dem ich gerne werkele.

 Wie entspannst Du nach einem langen Tag?

Da habe ich mein Ritual: Erst mal eine schöne heiße Dusche, und dann ein Riesenpott grüner Tee oder Rooibos-Tee. Mein Hausarzt staunt immer über meine exorbitant guten Leberwerte, ich glaube ja, das liegt am grünen Tee.

Dazu dann ein bisschen schöne Musik, und die Entspannung kann beginnen.

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