Jun 3, 2019

Mode aus dem 3D Drucker – Hype oder mehr?

3D Druck ist längst nicht mehr neu. Besonders in der Fertigungsbranche und der Automobilindustrie ist das Verfahren gang und gäbe – vor allem dann, wenn es um Ersatzteile für Autos oder Maschinen geht. Das Prinzip ist einfach: Am Computer wird designt und eine Datei erstellt, die an den 3D Drucker gesendet wird. Dieser baut die dreidimensionalen Stücke schichtweise auf. Das Ganze hat einen positiven Umweltaspekt. Denn beispielsweise im Fall von Ersatzteilen müssen können kleine Mengen ohne große Fertigungsmaschinen produziert werden. Aber auch, wenn es um Lifestyle und Individualisierung geht, spielt 3D Druck eine große Rolle: MINI beispielsweise bietet mit MINI Yours Customised seinen Kunden die Möglichkeit, den eigenen MINI noch mehr zu personalisieren. Nach dem Motto More you in your MINI können die Fahrer Dekorleisten oder Side Scuttles selbst online entwerfen. Diese werden dann 3D ausgedruckt und per Post zugesendet. Eine persönliche Note zu setzen und sein eigenes Ding zu machen ist ein absoluter Hype. Und natürlich auch ein großes Thema in der Fashionwelt. Aber wie steht es eigentlich in der Modeszene um 3D Druck?

Kann 3D Druck die Modewelt verändern?

Ungesehenes realisieren und eine völlig neue Ästhetik schaffen – das Arbeiten mit 3D Druck hat besonders in der Haute Couture sehr früh Anklang gefunden. Eben, weil das Verfahren perfekt ist, um komplexe, artifizielle und künstlerische Strukturen zu schaffen.

Kreativität voll entfalten

Das war zunächst für alle Designer interessant, die immer wieder visuelle Grenzen ausloten wollen. So zeigte Karl Lagerfeld 2015 auf der Haute Couture Show Kendall Jenner in einem weißen Chanel Maßanzug, der digital hergestellt wurde. Bei diesem und weiteren Designs der Show hatte Lagerfeld mit einer 3D Technik gearbeitet, bei der die geprinteten Teile schließlich durch einen Laser in Form gebracht wurden. Die surreal schimmernden, exakten Strukturen in Kombination mit Materialien wie Glattleder sorgten für Aufsehen. Ein Rock einer Abendrobe hatte eine kuppelförmige Silhouette und war mit Kristallen bestickt. Die Modelle sind aus flexiblem Kunststoff und Polyamid-Fasern gedruckt – häufig in einzelnen Stücken, die in Handarbeit zusammengenäht werden.

Schon 2014 präsentierte die niederländische Designerin Maartje Dijkstra eine künstlerisch skurrile 3D Kollektion. Rote Wölbungen und verzweigte schwarze Strukturen, die aneinandergereiht werden, siedeln ihre Kreationen eindeutig im Kunstbereich an. Der Designerin geht es darum, „progressiver zu sein und den Leuten zu zeigen, was man mit Technologie erreichen kann.“

Genau zu diesem Thema gab es 2016 im New Yorker Metropolitan Museum of Art die Ausstellung Manus x Machina: Fashion in an Age of Technology. Sie beschäftigte sich damit, wie traditionelle Handarbeit und neue Produktionstechnologien vor allem in der Haute Couture zusammenspielen können. Zu sehen waren mehr als 170 Modelle von Chanel, Hubert de Givenchy, Hussein Chalayan, Iris van Herpen oder Alexander McQueen. Und auch von der österreichischen Designerin Julia Körner. Sie hat u.a. die Kostüme für den Kinofilm Black Panther entworfen. 2016 kreierte sie ihr Kleid Venus, für das sie sich von Tiefseeschwämmen aus dem Ozean inspirieren ließ. Für das Modell scannte sie die Struktur der Schwämme und baute sie digital nach. Das Kleid wirkt, als wäre die Schwammstruktur quasi über den Körper der Trägerin gewachsen – eine Ästhetik, die ohne die Möglichkeiten von 3D nicht herzustellen wäre.

Wobei wir schon bei der Kern-Frage wären: Ist ein 3D Druck Kleid (Handwerks-) Kunst oder Maschinenfertigung und damit bald Massenware? Das wird sich zeigen. Sicher ist, dass es zur Geschichte der Mode gehört, immer wieder mit Althergebrachtem zu brechen und Neues zu probieren. Dafür steht auch Coco Chanel, die in den 30er Jahren mit maschinellen Strickverfahren arbeitete, was damals revolutionär war. Kreative Designer haben den Anspruch, die Gestaltungsmöglichkeiten zu erweitern. Genau das macht sie zu Pionieren – so auch beim 3D Druck. Wie stark verbreitet aber ist diese Arbeitsweise überall da, wo es um tragbare Mode geht?

Wie kann man den 3D Druck auch für Ready-to-wear entwickeln?

Zwei Dinge passen gut zusammen: der immer noch aktuelle Do-it-yourself Trend und 3D Druck. Wäre das nichts? Einfach den Schnitt für das neue Lieblingskleid aus dem Internet laden und zuhause selbst ausdrucken?

Bevor es soweit ist, muss noch einiges passieren, weil die Materialeigenschaften des Kunststoffes aktuell zu schlecht sind. Die typischen Textilstrukturen, die ein angenehmes Tragegefühl ausmachen, gelingen mit dem 3D Drucker nicht. 3D Drucke von Geweben sind hart und nicht sehr luftdurchlässig. Zumindest also für den Hausgebrauch ist das eine schlechte Nachricht.

Interessanter wird es da, wo Designer auf Mischformen setzen – also lediglich 3D Elemente in ihre Pieces integrieren. Und diese mit normalen Stoffen wie Baumwolle, Leder oder Seide kombinieren. Dadurch entstehen tragbare Jacken oder Röcke. Auch entwickeln sich die Möglichkeiten immer weiter: Im Materialmix mit einem dehnbaren, biologisch abbaubarem Gewebe lässt sich mittlerweile sogar Unterwäsche herstellen und BHs können maßgefertigt werden.

 

Ohne Frage ist 3D Druck im Fashionbereich verlockend: Designer und Hersteller erhalten damit ganz neue Möglichkeiten. Es wird einfacher, schnell auf Trends zu reagieren oder Kunden hochindividuelle Produkte zu bieten – und das bei besonders kostengünstiger Fertigung. Konfektionsgrößen würden sich relativieren, weil zentrale Massenproduktion überholt wäre. Jedes Teil wäre dann eine Maßanfertigung – individuell angepasst an die Silhouette der Trägerin.

Einige Labels setzen beim Design verstärkt 3D Software ein. Ein Beispiel ist Hugo Boss. Bereits 40 Prozent der Kollektion werden am Computer entwickelt – ohne einen einzigen, handgefertigten Prototypen. Mit wenigen Klicks kann der Designer am Rechner Änderungen durchführen, der Computer simuliert sämtliche verwendete Materialien und deren Sitz naturgetreu. Insgesamt will das Label seine ganze Produktionskette immer weiter digitalisieren. Die Richtung ist also klar.

 

Personalisierung is King – 3D Druck für Schuhe und Brillen

Im Gegensatz zu Kleidung, wo es noch am Tragekomfort hapert, sind hochpersonalisierte Schuhe bereits etabliert. Einer der Vorreiter ist adidas. Schon letztes Jahr stellten die Herzogenauracher 100.000 Schuhe mit Sohlen aus dem 3D Drucker her. Mit 3D Prints will adidas seinen Kunden verschiedene Vorteile bieten: Der aktuelle adidas AlphaEdge 4D, der zusammen mit Stella McCartney entwickelte wurde, verwendet die Laufdaten der Athleten und berücksichtigt Größe und Gewicht. So werden die optimalen Teile der Zwischensohle für Dämpfung und Unterstützung ermittelt. Dieses digitale Design wird dann in 3D und mit einer komplexen Gitterstruktur gedruckt.

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Enfocada al avance tecnológico y a la evolución, Adidas a promocionado el uso de las suelas impresas en 3D mediante lanzamientos limitados, como las Futurecraft que fomentan la innovación. 👟🎮 Ahora, la marca de las tres tiras tiene preparados lanzamientos más generales que incluyan esa tecnología, y por ese motivo lanzará al mercado las Alphaedge 4D. 👟🎮 El par saldrá a la venta en dos colorways disponibles el día 11/5 y a un precio de $300. 👟🎮 Aún no hay información oficial sobre su llegada al país pero la esperanza es lo único que se pierde. 👟🎮 ¿Que piensan de las suelas 3D? ¿💩 O 🚀? 👟🎮 . . . . . #adidas #adidas4d #adidas3d #3dprinting #adidasalphaedge #alphaedge4d #hypebeastkicks #hypebeast #hype #hypekicks #kicksoftheday #kick #kicks #yeezy #future #evolution #sneakers #sneaker #sneakerhead #sneakergame #sneakergameBA

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Wettbewerber NIKE kooperiert mit LAIKA und bringt den Missing Link x Nike Air Max Susan auf den Markt. Der Schuh wird in dem aktuellen LAIKA-Film Missing Link getragen und besteht zu Teilen aus 3D Druck von Stratasys, die auch den Film mitrealisiert haben. Mit NIKE By You können Kunden auf der Website ihre Sneakers nach ihren individuellen Farb- und Formwünschen digital konzipieren.

Auch Brillenhersteller haben die Vorteile von 3D Druck erkannt. Brillenrahmen lassen sich durch Änderungen an der digitalen Datei leicht an Trends anpassen. Bestes Beispiel: Der österreichische Brillenhersteller neubau eyewear bringt mit Sarah 3D und Erwin 3D zwei neue Sonnenbrillen-Modelle aus dem Drucker heraus.

Wohin also geht die Reise?

Die Vorteile liegen klar auf der Hand. Neben spannenden Designmöglichkeiten gibt es auch ganz praktische Gründe: Für Unternehmen ist 3D Druck schon deshalb interessant, weil nur das produziert wird, was tatsächlich bestellt wurde. Das schont Ressourcen und dank dieser On-demand-Strategie können kostspielige Lagerhaltung und Überbestände vermieden werden. Für die Fashionindustrie kommt hinzu, dass Personalisierung und das Gefühl der Individualität für Fashion-People das A und O sind.

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3D-мода, как и в целом it-мода, масштабное направление современной fashion-индустрии, без которого уже не мыслима ни одна неделя моды. Но даже эта сверхтехнологичная и немного фантастическая линия является не только и не столько результатом глобальных изменений, сколько плодом размышления дизайнеров на тему инновационных технологий. А значит, это тоже концептуальное направление моды, которое имеет свои корни, свою философию и своих последователей, к которым тоже стоит прислушаться… #3dfashion #conceptual #fashion #art

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Denkt man die Entwicklung konsequent weiter, könnten Einzelhändler von Kunden gewünschte Accessoires oder Looks demnächst direkt im Laden selbst produzieren. Dank Individualisierung und kurzer Lieferzeiten wäre das eine perfekte Strategie, die Kundenzufriedenheit zu steigern und damit auch die Kundenbindung. Die Tendenz geht klar in diese Richtung. Das bringt neue Themen mit sich. Denn in einem Umfeld, in dem jeder alles nachmachen kann, muss der Schutz von Patenten und geistigem Eigentum gestärkt werden. So steht einiges an in naher Zukunft – und ich gehe davon aus, dass 3D mit den kommenden Weiterentwicklungen das Potenzial hat, die Modebranche entscheidend zu gestalten und zu verändern.

Wie seht ihr das? Habt ihr schon mal Sneakers personalisiert? Wie wichtig ist es euch, etwas Einzigartiges zu haben? Was haltet ihr von 3D Druck? Postet einfach eure Meinung in den Kommentaren.

Christine

von

Fashionista und Schreiberin, die für Euch auf die Jagd nach guten Looks, spannenden Trends und neuesten Style-Inspirationen geht. Und zwischendurch einen Blick hinter die Kulissen von Ana Alcazar wirft, um über People, Shootings und den ganz normalen Wahnsinn eines kreativen Labels zu berichten.

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